Ein großer (Denk-)Fehler, durch den du dich unnötig von deinem Partner entfernst

Oft erlebe ich, dass manche Menschen sich offensichtlich für ihren Partner oder dessen Verhalten schämen. Schließlich sind sie ja mit ihm zusammen und jedes seltsame Verhalten, jedes Anecken fällt augenblicklich auf sie zurück. An diesem Denken sind sie nicht allein Schuld. Wie so oft gehen diese Gedankengänge von der Gesellschaft aus. Wer mit jemandem zusammen ist, ist auch für dessen Charakter verantwortlich. Ist doch klar! Ich gehörte auch lange zu der Sorte Mensch, der dachte, dafür verantwortlich zu sein, wie mein Freund mit anderen umgeht. Aber so funktioniert eine Beziehung einfach nicht.

Eine Beziehung besteht aus zwei Personen (meistens zumindest). Sie nähern sich im Laufe an, entwickeln sich gemeinsam, aber bleiben immer zwei Personen. Um es noch ein bisschen deutlicher zu machen: Es handelt sich um zwei Individuen. Wer kam also auf diese furchtbare Idee, der eine ist für das Verhalten des anderen verantwortlich?

Ich war einige Male in der Situation, in der ich auf Partys unruhig von einem Bein aufs andere gestiegen bin, wenn mein Freund sich unterhalten hatte. Weil er komisch auf Fragen antwortete. Weil er über Dinge sprach, die mega uncool wirkten. Weil er Witze machte, die jemand falsch auffassen könnte. Wenn er unpünktlich oder taktlos war, wurde ich vorwurfsvoll angesehen und mir wurde gesagt, dass das nicht in Ordnung ist. Also versuchte ich mit ihm zu reden und das zu ändern.

Bis ich erkannte, dass ich das Problem war, nicht er. Ich machte mir, mal wieder, viel zu viele Gedanken darüber, was andere denken könnten. Über ihn und dadurch (weil ich ja mit ihm zusammen war) auch über mich. Ich orientierte mich an der Norm und wollte um keinen Preis dort hinaus fallen. Aber wenn wir alleine waren, war mir die Norm völlig egal. Ich wollte diese Ecken und Kanten, (sonst wäre ich ja nicht mit ihm zusammen) – nur nicht vor anderen.

Als mir das klar wurde, wurde mein Leben so viel einfacher und die Beziehung tiefer. Es wird schließlich immer passieren, dass er vielleicht mal nicht so gut ankommt. Mit seinen Schwächen und Macken kann ich gut leben, wenn andere das nicht können, ist es ihr Problem. Nicht meins, nicht seins.

Was stört dich an deinem Partner und warum?
Als erstes solltest du dich einmal ganz ehrlich fragen, warum dich bestimmte Eigenschaften an deinem Partner stören. Warum stört es dich, dass dein Partner total auf Computerspiele abfährt? Immer noch mit seinem schrottreifen Studentenauto herumfährt, obwohl er inzwischen sehr gut verdient? Im Restaurant seine Spaghetti mit Messer und Löffel isst?

Bist du nur davon genervt, wenn andere es mitkriegen? Würde es dich auch stören, wenn ihr beide die einzigen Personen auf diesem Planeten wärt? Hast du durch sein Verhalten einen echten persönlichen Nachteil, der nichts mit gesellschaftlichem Ansehen zu tun hat?

Wenn du diese Fragen mit Ja beantworten kannst, musst du dich fragen, ob du dich mit diesen Dingen, diesen Verhaltensweisen, diesen Eigenheiten auseinander setzen möchtest und ob es dein Partner wert ist, über bestimmte Eigenschaften hinweg zu sehen. Das hört sich hart an. Aber manchmal müssen wir uns einfach eingestehen, dass der aktuelle Partner nicht zu uns passt. Jeder Mensch hat seine Macken, das macht uns aus. Klar, passt man sich in einer Beziehung automatisch etwas an. Aber wie oben schon festgestellt, verschmilzt man in einer Beziehung nicht zu einer Einheit. Unterschiede gibt es immer und Marotten noch viel mehr. Und manche Menschen harmonieren nicht so gut. Das ist nicht das Problem von dem, der die Marotten hat, sondern von seinem Partner. Er muss sich damit arrangieren. Oder eben nicht. Wenn das dein Problem war, kannst du hier aufhören zu lesen.

Wenn du diese Fragen allerdings mit Nein beantwortet hast, liegt das Problem im Außen. Dir geht es bei den Macken deines Partners einzig und allein darum (bewusst oder unbewusst), was andere denken könnten. Das war ja auch mein Problem und rückblickend bin ich froh, dass ich das gerade noch rechtzeitig bemerkt habe. Sonst wäre meine Beziehung an völlig falschen Gründen zerbrochen.

Was kannst du nun tun?
Mache dich frei von fremden Glaubenssätzen. Viele Verhaltensweisen und Erwartungen an andere wurden uns anerzogen oder im Laufe der Zeit durch verallgemeinernde Floskeln von Mitmenschen eingetrichtert. Wir halten uns brav daran, ohne sie mal zu hinterfragen. Ich bin inzwischen ein großer Feind von dem Satz Das macht man so. Denn dieser Satz ist für die meisten endgültig, er wird hingenommen wie ein verbindliches Gebot.

Ich bin zwar der Meinung, dass es Dinge gibt, die man so macht. Aufstehen in Öffis, wenn ältere Leute einsteigen, Menschen mit Kinderwagen die Tür aufhalten und so weiter.

Aber alles andere, was nicht zu diesen Höflichkeiten zählt, sollte jeder individuell für sich entscheiden und sich das Leben so machen, wie es ihm gefällt (wollten wir nicht als Kinder alle so leben wie Pippi Langstrumpf?).

Verinnerliche auch, dass du nicht für das Verhalten deines Partners verantwortlich bist. Du musst weder dafür sorgen, dass er bei anderen gut ankommt, noch musst du dich für seinen Charakter rechtfertigen oder entschuldigen. Steh zu ihm, genauso wie er ist. Deswegen bist du doch mit ihm zusammen. Sei stolz auf deinen Partner. Denk dran wie glücklich er dich macht. Löse dich von der Vorstellung, es würde dich glücklicher machen, ihn in die Norm hineinzupressen. Das tut es nicht. Sonst könntest du auch mit einem Roboter zusammen sein. Den kannst du ganz nach deinen Vorstellungen programmieren. So wie es die Norm verlangt, ohne Ecken, ohne Kanten. Quasi ein Jedermann. Hört sich das für dich erstrebenswert an?

Stell dir vor, wie du dich fühlen würdest, sollte dein Partner versuchen wollen, an dir herum zu pfuschen. Damit er besser bei anderen ankommt. Ich erinnere mich noch deutlich an einen Satz von einer Freundin, kurz bevor sie mir ihren neuen Freund vorstellte. Diese Situation ist gut vergleichbar mit diesem Thema. Sie sagte zu mir: “Maike, könntest du dich bitte ein bisschen normaler als sonst verhalten? Er soll nicht denken, dass ich komisch bin, weil ich mit dir befreundet bin.” Oha! Ich wusste, dass sie es nicht so böse meinte, wie es klang. Trotzdem war es nicht nett und machte eigentlich auch keinen Sinn. Es ist doch ein bisschen weit hergeholt. Das findest du auch? Na, dann musst dir doch keine Gedanken mehr machen. :-)

Mach schließlich auch anderen klar, dass du kein Bote bist. Solltest du mal in die Situation kommen, dass du angefahren wirst, weil dein Partner irgendwie angeeckt ist, sag ganz ehrlich, dass das nicht dein Probelm ist und die Person sich doch bitte direkt an deinen Partner wenden soll. Wenn sie es nicht tut, ist es offensichtlich doch nicht so wichtig.

Werdet zu echten Partnern
Erlaube deinem Partner seine Individualität aufrecht zu erhalten und zu leben. Unterstütze ihn und gib ihm nicht das Gefühl, er wäre nicht gut genug so wie er ist. Vor allem nicht, wenn du es ja eigentlich nicht so meinst. Damit hebst du eure Beziehung auf ein neues Level. Ihr entwickelt eine richtige Partnerschaft, denn zwar gehört ihr zusammen, aber nicht auf eine klebrige, zwanghafte Art. Es ist eine besondere Freundschaft, erfrischend und leicht. Hast du dich einmal losgemacht von dem Druck und den Erwartungen der Gesellschaft, betrachtest du deinen Partner auf eine ganz neue Art. Du siehst nicht mehr den unbeholfenen Trollo, für den du dich schämen musst. Du siehst deinen Partner, mit dem du durch dick und dünn gehen kannst. Mit dem du lachst und der dein Leben bereichert.

Und wer weiß, vielleicht verliebst du dich ja nochmal neu!?


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2 thoughts on “Ein großer (Denk-)Fehler, durch den du dich unnötig von deinem Partner entfernst

  1. Hallo Maike,
    das Gefühl kenne ich. Dass einem der Partner irgendwie peinlich ist. Du hast mit deinem Beitrag voll ins Schwarze getroffen. Ich glaube, dass dieses Gefühl einerseits ein Zeichen von Nähe ist, andererseits aber auch darauf hindeuten kann, dass man seine Beziehung vlt. noch mal überdenken sollte.
    LG!

  2. Hi Anja,
    genau so ist es. Wenn man die Beziehung nochmal überdenkt, muss das ja nicht zwingend schlecht sein. Entweder man, merkt, dass man als Paar doch nicht so gut passt. Dann kann man durch getrennte Wege glücklicher werden. Oder man merkt, so wie ich damals, dass die Ansprüche einfach ganz falsche (weil fremde) waren. In beiden Fällen kann man eigentlich nur gewinnen. Auch wenn die erste Variante oft natürlich nicht so leicht fällt. Aber diese Ehrlichkeit ist man sich selbst und auch dem Partner schuldig.

    Viele Grüße
    Maike

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