Warum du unbedingt deiner persönlichen Entwicklung folgen musst

Ich weiß es noch ganz genau. Vor einigen Jahren hatte ich den dringenden Wunsch in eine andere Stadt zu ziehen. Weit weg in einen Ort, in dem mich niemand kennt. Warum? Um nochmal ganz neu anzufangen – mit einem völlig neuen Kleidungsstil und einem anderen Haarschnitt. Ich war der festen Überzeugung, ich könnte nicht einfach mal so meinen Stil verändern, obwohl ich das so gerne wollte. Ich hatte mich innerlich verändert, hatte mich weiterentwickelt und konnte mich mit meinem alten Stil nicht mehr identifizieren.

Und ich hatte doch tatsächlich den Gedanken im Kopf, ich könne mein Äußeres nur in einer anderen Stadt verändern. Was sollen denn sonst die Leute denken, die mich kennen (und sei es nur vom Sehen)?

Heute sehe ich das ganz anders. Wir alle entwickeln uns unser Leben lang weiter. Meistens geht diese innere Entwicklung mit dem Wunsch einher, äußere Umstände an diese Entwicklung anzupassen. Sei es nun ein neuer Haarschnitt oder der Umzug von den Bergen ans Meer. Wir spüren deutlich, dass wir das für unsere Entwicklung brauchen. Und dann?

In meinem Fall habe ich diesem Wunsch nicht nachgegeben. Allerdings war das ein herber Rückschlag für meine Entwicklung. Weil ich sie nicht leben “konnte”. In meinem Inneren war sie vollzogen. Aber ich war nicht bereit, sie auch nach außen zu kommunizieren. Dadurch stagniert jede weitere Entwicklung zwangsläufig.

Bleib nicht an alten Entscheidungen hängen
Du hast in deinem Leben schon einige Entscheidungen getroffen. Das passiert eben, wenn wir leben. Aber indem du dich selbst auf diese Entscheidungen festnagelst, bremst du dich total aus.

Nur weil du dich mal für Piercings und grüne Haare entschieden hast, musst du nicht dabei bleiben, wenn du inzwischen einen seriöseren Eindruck schätzt.

Nur weil du dich irgendwann mal für dein BWL-Studium entschieden hast, heißt das nicht, dass du nicht eines Tages Drehbuchautor werden kanst, wenn deine Entwicklung dich dahin verschlägt.

Miley Cyrus (man mag von ihr halten, was man will) kommt mir da sofort in den Kopf. Sie war als Hannah Montana das typische nette Mädchen von nebenan. Jeder hat ihr diese Rolle abgekauft. Nach dem Ende der Serie jedoch schnitt sie sich ihre brave Mähne superkurz und wurde zur Rock-Göre mit viel nackter Haut und Obzönitäten. Viele schimpfen über sie. Meinen, sie wolle um jeden Preis ihr Schulmädchen-Image loswerden.

Aber weißt du, was ich glaube? Sie ist ihrer inneren Entwicklung gefolgt und hat sie nach außen gelebt. Hätte sie das nicht gemacht, wäre sie vermutlich nicht da, wo sie heute ist. Und darüber hinaus auch noch unglücklich.

Denn eine missachtete Entwicklung, die nach außen will, tut weh. Miley Cyrus hat sich vor diesem Schmerz bewahrt. Sie hat einen großen Image-Schaden und den Verlust unzähliger Fans riskiert. Sie ist also ein viel größeres Risiko eingegangen als du und ich eingehen müssen.

Wir verlieren möglicherweise auch Menschen während wir uns weiterentwicklen. Man lebt sich auseinander, harmoniert nicht mehr so richtig. Die Interessen verändern sich, die Werte oder die Lebenseinstellung. Manche Menschen heißen nicht gut, was wir machen. Weil wir sie durch unsere Weiterentwicklung in gewisser Weise aus ihrer Komfortzone reißen. Weil wir sie darauf aufmerksam machen, dass das Leben Entwicklung bedeutet. Oder weil sie sich in ihrer Person angegriffen fühlen.

Das passiert automatisch. Aber es ist kein Grund, sich gegen die persönliche Weiterentwicklung zu wehren. Wir brauchen die Weiterentwicklung wie die Biene den Honig. Unsere Entwicklung zu ignorieren, zieht runter. Es zieht mehr runter als wenn ein Mensch plötzlich unser Leben verlässt.

Indem wir unsere Entwicklung nicht vollziehen, halten wir uns an Dingen fest, die nicht mehr uns gehören. Wir krallen uns an einer Vergangenheit fest, aus der wir inzwischen rausgewachsen sind. Die uns auf Dauer krank macht. Unruhig. Einsam.

Ich habe auch an so vielen Dingen festgehalten, die schon lange nicht mehr ich waren. Ich war so darauf fixiert, was andere denken könnten, dass mich das blockiert hat und ich eben alles so gelassen habe, wie es immer war. Jetzt weiß ich, wie falsch das war.

Du brauchst die Entwicklung. Wenn sie an deine Tür klopft, lass sie rein. Bleib nicht in deinem alten Trott hängen. Du gibst anderen Menschen damit die Macht, dich und dein Leben zu formen. Du bist nichts weiter als eine Marionette. Ohne Lebensgeister. Ohne Freude. Dafür mit viel Leid und negativer Energie. Das ist kein Leben, auf das du in deinem Sterbebett zurück schauen möchtest.

Deine Weiterentwicklung ist kein Scheitern
Manche haben das Gefühl, sie würden scheitern, wenn sie ihrer Entwicklung nachgehen. Sie hatten sich ihr Leben schließlich mal ganz anders ausgemalt.

Ja, damals.

Damals wusstest du nicht, welche Menschen dir begegnen würden. Welche Ereignisse dich beeinflussen würden. Welche Möglichkeiten sich auftun könnten. Ein Gespräch mit einem Menschen kann unsere ganze Weltsicht auf den Kopf stellen. Ein bestimmter Vorfall kann unsere Werte verrücken. Täglich passieren Dinge, die uns verändern. Wenn wir es zulassen.

Es hat absolut nichts mit Scheitern zu tun, wenn wir dieser Veränderung nachgehen. Wir wurden von klein auf darauf gepolt, dass “Sprunghaftigkeit” etwas Schlechtes ist. Ein perfektes Leben ist eines, das geradeaus geht, ohne Abzweigungen. Das ist Blödsinn! Wie viele Menschen sitzen in ihrem “perfekten” Leben und könnten einfach nur kotzen? Sie haben keine der Abzweigungen genommen, die sich ihnen aufgetan haben. Sie hatten immer die Menschen am Straßenrand im Blick, die bei dem kleinsten Schlenker schief gucken könnten.

Die Menschen, die selbst in ihrem “perfekten” Leben sitzen und jegliche Veränderung scheuen. Wegen der anderen. Es ist ein irrsinniger Kreislauf, der niemals ein Ende nimmt.

Bis jetzt.

Drück aufs Gaspedal und fahr winkend an allen vorbei zur Abzweigung. Schau in all die empörten Gesichter und nicke ihnen lächelnd zu. Schließe Frieden mit deiner Entwicklung. Sieh sie als Teil deines Lebens. Mach dir klar, dass es unnatürlich ist, dein Leben lang das Leben zu leben, das du dir mit 18 ausgedacht hast. Wir werden locker 80 und älter. Kleine Korrekturen (oder auch riesige) sind völlig normal und nichts, wofür du dich schämen musst.

Andere sollten sich schämen, dass sie dich klein halten wollen. Dass sie dich aus Egoismus, Angst oder Selbstbezogenheit bremsen wollen.

Sobald du die Abzweigung nimmst, passieren dir wunderbare Dinge. Du siehst auch plötzlich nicht mehr nur die Menschen, die den Kopf schütteln. Du siehst Menschen, die dir anerkennend zunicken. Die klatschen während du an ihnen vorbei fährst. Und du nimmst wundervolle Personen per Anhalter mit, die dich künftig begleiten wollen.

Und ein besonders wichtiger Anhalter steht gleich am Anfang der Abzweigung: Die Lebensfreude.

 

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2 thoughts on “Warum du unbedingt deiner persönlichen Entwicklung folgen musst

  1. Hey Maike, ich finde deine Weltanschauung wirklich toll. Und deinen Artikel auch.
    Ich kann das nur bestätigen und ergänzen.
    Viele denken immer sie seien für ihr jetzt verantwortlich. Dabei ist das jetzige Ich nur das, was das vergangene Ich hervorgebracht hat. Und das jetzige Umfeld ist nur das Resultat von dem was dein vergangenes Ich gelebt hat. =) Irgendwann kam dann auch bei mir dieser Klick Moment.
    Ich war immer sauer auf mein jetziges Ich für Entscheidungen aus der Vergangenheit, bis ich mir wirklich vor Augen gehalten habe, dass ich nicht nur anderen, sondern auch mir selbst für Fehlentscheidungen aus der Vergangenheit verzeihen muss. Ich habe mir dann bewusst gesagt, dass ich mir vergebe und los lasse und das ich im jetzt und nicht in der Vergangenheit lebe. Aktuell habe ich sogar eine Affirmationstafel mit Autosuggestionen an der Wand auf der ich meine wichtigsten Glaubenssätze neu formuliert habe. Dadurch konditioniere ich mein Mindset neu auf positive Werte und auf das, was mich ausmachen soll – im Gegensatz zu dem was ich war.
    Das soll aber nicht heißen, dass alles Vergangene schlecht war. Im Gegenteil. Ich würde jeden Stein auf meinem Weg in der Vergangenheit wieder gehen, denn diese Erfahrungen und Entscheidungen haben mich stark gemacht. Ich konnte wirklich aus jeder, absolute JEDER Erfahrung entweder eine schmerzhafte Lehre ziehen oder war dankbar für die Erfahrung. Ohne diese vielen Erlebnisse hätte ich nicht die Lebenserfahrung die ich jetzt habe. In diesem Sinne, mach das beste aus dem jetzt. =)

    • Hallo Caro und ganz lieben Dank für deinen interessanten Kommentar!

      Ob du es glaubst oder nicht: Genau an dem Tag als du den Kommentar geschrieben hast, habe ich daran gedacht, dir mal wieder zu schreiben. :-)

      Sich selbst für vergangene Entscheidungen zu verzeihen ist super wichtig. Die Affirmationstafel ist eine tolle Idee, danke! Viele (und ich kenne das auch) verfallen in eine Schockstarre, geißeln sich für alte Entscheidungen, anstatt einen Haken dahinter zu machen und ab heute ganz neu zu leben und durchzustartem. Denn in jedem Moment können wir entscheiden, jemand anders zu sein. Die einzige Person, dessen Erlaubnis wir dafür brauchen, sind wir selbst. Das ist doch eine tolle Nachricht. :-D

      Liebe Grüße
      Maike

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