Minimalismus – Der Schlüssel zum Glück?

Überall höre und lese ich von minimalistischem Leben. Plötzlich ist gefühlt jeder Zweite Minimalist. Besitz ist ganz offensichtlich out. Die Formel ist denkbar einfach: Entrümple dein Leben! Gib alles weg, was nicht in einen Rucksack passt! Löse dich von überflüssigen Dingen! Und – schwupp – schon bist du glücklich. Aber ist es wirklich so einfach? Wie du schon hier lesen konntest, spielt Minimalismus in meinem Leben inzwischen auch eine sehr große Rolle. Allerdings war das ein langer Prozess. Der erste Schritt war, meine Wohnung komplett zu entrümpeln. Weg mit all dem Kram, der eh schon so lange herumliegt und nicht gebraucht wird. Das schafft Raum, auch im Geist. Doch damit allein war und ist es nicht getan.

Hinterfrage deinen Besitz
Bei manchen Dingen ist es keine Frage, ob wir es noch brauchen. Wenn die Fritteuse von Tante Trudi seit 5 Jahren vor sich hin staubt, ist es klar, dass sie weg kommt. Auch die ungenutzte Golfausrüstung (das war bloß eine Phase) oder die Lieblings-Bluse, dir wir vor dem Abnehmen (immerhin 20 kg!) fast täglich anhatten, kann weg. Außer du hast vor, nochmal zuzunehmen, dann bewahre sie lieber auf (nein, quatsch, weg damit!).

Dann gibt es aber Dinge, die wir beim Aussortieren einfach übersehen und gar nicht darüber nachdenken, wie sinnvoll sie sind. Etwa die Kaffeemaschine, die wir nur einmal im Monat, wenn Besuch kommt, anschmeißen. Möglicherweise reichen auch der Wasserkocher und ein klassischer Porzellanfilter?

Wir denken deshalb nicht darüber nach, wie sinnvoll solche Sachen sind, weil wir von außen beeinflusst werden. Wir stellen die Notwendigkeit einer Kaffeemaschine gar nicht in Frage, denn sie gehört nunmal zu einer Küche dazu. Ob wir sie tatsächlich brauchen ist eine ganz andere Sache. Zum Umdenken bedarf es eines weiteren Schrittes.

Schaffe dir deine eigene Ideologie
Hinterfrage nicht nur deinen Besitz, sondern vor allem auch die Wertvorstellungen, die gar nicht von dir selbst kommen. Die dir anerzogen oder von anderen eingeredet wurden. Wertvorstellungen wie “Das Geschirr muss zusammen passen” oder “Ich brauche unbedingt einen Klopapierhalter”. Frag dich, ob du sie wirklich ebenfalls genauso vertrittst und warum. Oft wird die Antwort lauten “Das macht man eben so“. Deshalb ist gleich die nächste Frage: Möchtest du das auch so machen?

Wenn nicht: Weg damit! Nach und nach gestehst du dir so deine Individualität ein und lebst danach. Du wendest dich also von den Wertvorstellungen deiner Eltern oder Mitmenschen ab und entwickelst eigene. Vielleicht ziehst du plötzlich in eine viel kleinere Wohnung, weil du gemerkt hast, dass du nur in einer großen 4-Zimmer-Wohnung wohnst, weil alle Menschen in deiner Gehaltsklasse solch eine Wohnung haben.

Dieser Schritt ist nicht leicht und erfordert Kraft. Die fremden Ideologien, die dich seit Jahren leiten und die du als deine eigenen angesehen hast, haben dir Sicherheit gegeben. Nun trittst du aus dieser Komfortzone heraus. Es wird einige Zeit dauern, bis du deine eigenen Wertvorstellungen verinnerlicht hast und im Hinterkopf nicht mehr die Stimme hörst, die ruft, dass du das so doch nicht machen kannst.

Vielleicht werden einige Personen deine Entwicklung nicht gut finden. Schade! Aber wenn du dich mit deinen Entscheidungen gut fühlst, geh weiter nach vorn, zur Not ohne diese Personen. Bleib nicht stehen. Geh den Weg, der sich für dich richtig anfühlt.

Lerne, nichts besitzen zu müssen
Löse dich von der Vorstellung, dass du bestimmte Dinge brauchst, um glücklich zu sein. Erkenne, dass nichts Materielles, kein supertoller Sportwagen, kein Highend-Fernseher (was auch immer das ist) und keine Profi-Küchenmaschine für 500 Euro, glücklich macht. Wenn du deine Zufriedenheit von materiellen Dingen abhängig machst, bist du verwundbar. Denn sobald diese Dinge verschwinden, kaputt gehen oder nicht mehr aktuell sind, ist die Zufriedenheit im Keller und Ersatz muss her.

Wenn du allerdings die Zufriedenheit in deinem Innern findest, können materielle Dinge dein Leben zwar bereichern, begründen aber nicht dein Glück. Es bedeutet also nicht, dass du nur glücklich werden kannst, wenn du gar nichts mehr besitzt. Es bedeutet auch nicht, dass du keine Wünsche mehr haben darfst.

Es bedeutet, dein Leben so zu akzeptieren wie es jetzt gerade ist. Keine Missgunst zu empfinden, weil andere etwas haben, was du gerne hättest. Keine Gier zu spüren. Kein Anhäufen von Besitztümern, um anderen zu beweisen, wie toll du bist.

Und genau darin liegt die Freiheit und daraus resultiert meine Zufriedenheit, seit ich minimalistischer lebe: Ich bin nicht fremdgesteuert. Ich besitze und konsumiere nur für mich. Nicht um Löcher zu füllen, sondern um mir etwas Gutes zu tun. Bewusst und nachhaltig. Ich besitze und kaufe automatisch nur solche Dinge, die ich auch brauche und deren Nutzen mir von vornherein klar ist. Von anderen Dingen, die ich nicht mehr brauche, kann ich mich gut trennen.

Stell dir doch mal folgende Fragen:

  • Warum denkst du, brauchst du eine bestimmte Sache um glücklich zu sein?
  • Wie wird sich dein Leben ändern, wenn du sie endlich hast?
  • Wie lange wird deine Zufriedenheit anhalten?
  • Was würde sich ändern, wenn du sie verlierst? Hast du dadurch einen Nachteil?
  •  Welches Opfer musst du erbringen, um die Sache zu bekommen? (Arbeits-/Lebenszeit?)
  • Ist es das wert?

Benutze Minimalismus nicht als Statussymbol
Minimalismus macht also tatsächlich glücklich. Unter der Bedingung, dass du es für dich machst. Spring nicht auf den Minimalismus-Zug auf, um bei anderen Eindruck zu machen. Spring nur auf, um dir mehr Lebensqualität zu verschaffen. Wenn du anfängst, minimalistisch zu leben um vor anderen damit zu prahlen, ist der Zauber vorbei. Sobald du anfängst, dich mit anderen zu vergleichen (“Waas? Du hast drei Bücher auf dem Nachttisch? Pfff, ich besitze nur noch die Kleidung, die ich am Leib trage.”), hör auf. Es klappt nicht. Denn du orientierst dich wieder viel zu sehr im Außen. Minimalismus soll dir keine Anerkennung verschaffen. Es soll deine Persönlichkeit stärken, dir helfen, deine Individualität zu leben und dich auf die wirklich wichtigen Dinge im Leben aufmerksam machen. Und vor allem soll es dich zufrieden machen. Das funktioniert nicht, wenn du von der Bewunderung anderer abhängig bist.

Vielleicht bist du noch nicht bereit. Oder vielleicht hast du dir zwar neue Ideologien geschaffen, aber die falschen. Wiederum fremde, weil du denkst “So muss Minimalismus sein”. Besinne dich auf deine eigenen Werte. Dafür musst du tief in dich hinein hören. Meditation kann dir dabei helfen.

Minimalismus ist in erster Linie eine innere Einstellung, die das Leben einfacher und lebenswerter macht. Du machst dich frei von der Abhängigkeit zu äußeren Dingen und lernst dich selbst unheimlich gut kennen. Es ist allerdings eine große Persönlichkeitsentwicklung, die nicht über Nacht geschieht. Nimm dir so viel Zeit wie du brauchst und bleib ganz bei dir. Vergleiche dich nicht mit anderen, die es vermeintlich besser machen, denn jeder hat eine andere Vorstellung vom minimalistischen Leben.

Was macht Minimalismus für dich aus? Welche Rolle spielt er in deinem Leben?

Zu diesem Blogpost hat mich Patrick inspiriert. Danke dafür!

2 thoughts on “Minimalismus – Der Schlüssel zum Glück?

  1. Ich finde Minimalismus unglaublich befreiend und vor allem macht es süchtig! Ich habe auch vor ein paar Jahren angefangen meinen Besitz zu minimalisieren und inzwischen besitze ich fast gar nichts mehr. Meine Schuhsucht habe ich damit auch überwunden. ;)
    LG

  2. Haha, ja das stimmt, irgendwie macht es wirklich süchtig. Ich weiß gar nicht, wie ich mal anders leben konnte. Früher war ich auch echt oft bummeln. "Nur mal gucken, was es so gibt – oh, toll, Sale, da kann ich ja nicht dran vorbei gehen." Und schwupp, hatte ich Dinge, die ich weder brauchte, noch mochte. So etwas Verrücktes!

    Viele Grüße!

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