Wie die Pille unbemerkt unseren Körper und unsere Weiblichkeit angreift

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Vor etwas mehr als einem Jahr habe ich die Pille abgesetzt. Ich habe sie acht Jahre genommen. Ich war immer zurfrieden. Sie war praktisch und hatte auf mich keine Nebenwirkungen. Dachte ich. Bis es plötzlich klick bei mir machte und dieser Augenblick meine ganze Sicht auf die Pille änderte. Ich hatte körperliche Beschwerden, die ich nie auf die Pille zurück geführt habe. Außerdem bemerkte ich nach dem Absetzen noch weitere unglaubliche Veränderungen.

Kaputte Schleimhäute als Hilferuf meines Körpers
Lange Zeit hatte ich große Beschwerden mit allen Schleimhäuten meines Körpers. Ich habe nie den Zusammenhang zwischen diesen Beschwerden gesehen, sonst wäre ich wohl viel eher auf die Pille als Verursacher gekommen.

Ich hatte regelmäßig starkes Nasenbluten. Vor allem im Winter, wenn meine Schleimhäute eh schon mit der trockenen Heizungsluft kämpfen mussten oder nach einem Schnupfen. Es dauerte mehrere Minuten und floss in Strömen aus mir raus.

Auch meine Mundschleimhaut war alles andere als gesund. Die Zunge sah manchmal aus wie eine Landkarte. Sie fing an zu brennen oder fühlte sich dick an, wenn ich säurehaltige Lebensmittel wie Essig, Ananas oder auch Paprika aß. Schließlich hatte ich auch noch Aphthen, kleine Schädigungen der Schleimhaut, die höllisch weh tun.

Wegen ständig wiederkehrender Magenschmerzen musste ich mich einer Magenspiegelung unterziehen. Das war nicht nur extrem unangenehm, es wurde auch nichts gefunden. Dort wurde mir zum ersten Mal gesagt, dass ich offenbar nur an einer sehr empfindlichen Schleimhaut leide.

Zum zweiten Mal hörte ich davon bei meinem Frauenarzt. Er bemerkte es bei einer Untersuchung und nannte die Pille als mögliche Ursache. Es ratterte kurz in meinem Kopf und ich dachte an meine anderen Beschwerden. Die Magenprobleme, die Schmerzen beim Toilettengang, die inzwischen erfolglosen Versuche, Tampons zu benutzen. Endlich brachte ich meine Beschwerden in einen Zusammenhang und endlich gab es einen Grund dafür. Einen Grund, den ich jederzeit beseitigen konnte.

In diesem Moment beschloss ich, die Pille abzusetzen. Die Pille hatte für mich (anders als lange gedacht) Nebenwirkungen. Ich weiß sicher, dass dazu meine ramponierten Schleimhäute gehörten. Allerdings weiß ich nicht, was die Pille in meinem Körper noch so angestellt hat. Die nächste offenkundige Nebenwirkung hätte genausogut ein Blutgerinnsel sein können.

Wie die Pille wirkt
Die Pille enthält die weiblichen Geschlechtshormone Gestagen und Östrogen, die für gewöhnlich den Zyklus steuern. Das durch die Pille zugeführte Östrogen hemmt die Bildung von Botenstoffen, die für den Eisprung erforderlich sind. Der Eisprung bleibt aus. Gleichzeitig verändert das Gestagen den Schleim im Gebärmutterhals, was das Eindringen der Spermien erschwert. Noch dazu verhindert es eine ausreichende Entwicklung der Gebärmutterschleimhaut. Dadurch kann sich ein befruchtetes Ei nicht einnisten.

Die Minipille enthält nur das Hormon Gestagen. Die Verhütung findet hier also nur durch die Veränderung der Schleims statt, nicht durch das Ausbleiben des Eisprungs.

Mögliche Nebenwirkungen der Pille
Angeblich hat die Pille nur sehr selten Nebenwirkungen. Nur wenige Frauen leiden an Nebenwirkungen und meistens sind es auch ganz harmlose. Solche Dinge höre und lese ich immer wieder. Ich habe mir mal den Beipackzettel von meiner Pille durchgelesen. Häufige Nebenwirkungen sind da unter anderem Sehstörungen, Übelkeit, Bauchschmerzen, Nervosität, Benommenheit, Depression, Brustschmerzen, Akne, Scheidenpilz.

Etwas seltenere Nebenwirkungen sind etwa Glucose-Intoleranz, Vermiderung des Geschlechtstriebs, Haarausfall und Gelbsucht. Doch damit nicht genug. Es gibt auch noch weitere mögliche Nebenwirkungen, die durch die Pille entstehen können und gesondert aufgeführt sind, weil es dazu noch nicht genug Untersuchungen gibt: Sehnervenentzündung (kann zu teilweisem oder vollständigem Verlust des Sehvermögens führen), eine Form der Schwerhörigkeit, Bauchspeicheldrüsenentzündung.

Weitere Nebenwirkungen (für die Seele)
Ich bin inzwischen sehr gegen die Pille und andere hormonbasierte Verhütungsmittel. Tatsächlich frage ich mich, wieso ich die Pille trotz meines gesunden Lebensstils so lange ohne Bedenken genommen habe. Es sind nicht nur die Nebenwirkungen, die ich anklage. Wir greifen immens in unsere Natur ein.

Unser gesamter Hormonhaushalt und alles, was damit zusammenhängt kommt durcheinander. Manche Mädchen nehmen die Pille bereits wenn sie 14 sind. Der Körper ist noch mitten im Wachstum und alles pendelt sich langsam ein. Manche nehmen sie, sobald ihre erste Blutung auftritt. Ich weiß nicht, ob es Untersuchungen gibt, aber für mich hört es sich nicht besonders gesund an.

Ich habe die Pille nur als Verhütungsmittel verwendet. Viele andere erhoffen sich von der Pille eine bessere Haut, weniger Unterleibskrämpfe oder die volle Kontrolle über den Zyklus. Die Gründe kann ich nachvollziehen, allerdings finde ich den Preis dafür zu hoch.

Schließlich gibt es nicht nur die im Beipackszettel angegebenen Nebenwirkungen. Eine ganz große Nebenwirkung ist das Sich-Entfernen von uns selbst. Noch nie in meinem Leben war ich mir, meinem Körper und meiner Weiblichkeit so nah wie im Moment. Die Pille hat vorher alles geregelt, alles war jeden Monat gleich. Jetzt spüre ich, wie die Hormone in mir arbeiten.

Um ehrlich zu sein war ich immer der Überzeugung, dass PMS mehr oder weniger Einbildung war. Ich dachte, sensible Frauen reden sich Beschwerden ein, wenn sie wissen, dass bald ihre Tage kommen. Mit der Pille hatte ich solche Beschwerden nicht, konnte es mir also nicht vorstellen. Nach dem Absetzen wurde ich eines Besseren belehrt.

Brustschmerzen, unreine Haut, Müdigkeit, Schwindel und Weinerlichkeit sind Beschwerden, die mich nach meinem Eisprung bis zur Blutung begleiten. Nicht jeden Monat alle und auch nicht immer in der gleichen Intensität, aber die Hormone machen sich bemerkbar. Und ich liebe es.

Es sind gute Beschwerden. Sie sind natürlich und ein Ausdruck meiner Weiblichkeit. Die Pille hat mir dieses Gefühl weggenommen. Ich bin inzwischen soweit in meiner Weiblichkeit angekommen, dass ich mich auf eine Schwangerschaft vorbereitet fühle. Ich möchte zwar im Moment keine Kinder und habe es auch demnächst nicht vor, trotzdem fühle ich mich für eine Schwangerschaft bereit. Das fühlt sich großartig und sehr weiblich an.

Die Zeit nach dem Absetzen der Pille
Viele scheuen das Absetzen, weil sie Angst vor den Auswirkungen haben – unreine Haut etc. Ja, auch ich hatte danach unreine Haut. In meinem ganzen Leben hatte ich keine Probleme damit, aber nach dem Absetzen war es schlimm. Es war so schlimm, dass mir die Hautärztin beim Krebs-Screening (ungefragt!) ein Mittel gegen Spätakne aufschrieb. Ich hatte nicht nur Pickelchen im Gesicht, sondern auch am Hals, im Dekolleté und auf der Schultern.

Zurück zur Pille war für mich keine Option. Nicht nur, dass ich ja weg von hormonbasierten Verhütungsmitteln wollte. Hätte ich wieder die Pille genommen, hätte ich sie früher oder später eh absetzen müssen. Warum also aufschieben? Zudem merkte ich ziemlich schnell, dass mit dem Absetzen der Pille eine riesige Last von meinen Schultern gefallen ist. Eine Last, die ich in all den Jahren gar nicht als solche wahrgenommen habe. Die Pickel waren bei weitem nicht eine so große Last.

An manchen Tagen fand ich die zwar Pickel schrecklich. An vielen anderen aber war es mir herzlich egal. Ich hatte viel Verständnis für meinen Körper, der nach Jahren der Gefangenschaft wieder auf die Füße zu kommen versuchte. Außerdem sehen wir solche “Makel” selbst viel deutlicher als andere Menschen. Und selbst wenn nicht: Was interessiert es Tante Trudi von nebenan oder dem Kassierer im Supermarkt, wie viele Pickel ich habe? Es geht sie nichts an. Und falls es sie doch brennend interessiert: Ist ihr Leben entweder so langweilig, dass sie über anderer Menschen Unreinheiten sinnieren müssen (nicht mein Problem). Oder sind sie so oberflächlich, dass sie andere nach ihrem Aussehen beurteilen (will ich nichts mit zu tun haben). Oder sie suchen krampfhaft Fehler an anderen, um sich selbst besser zu fühlen (wenn sie es so nötig haben, will ich ihnen diese Freude lassen).

Mit Geduld, Verständnis und Nachsicht geht auch diese Phase der Hormonumstellung vorbei. Und wenn diese Phase überstanden ist, dann wird es besser. Es gibt sogar erfreuliche Veränderungen. Bei mir (und wie ich höre auch bei vielen anderen) sind am Kopf mehr Haare gewachsen. Rund um den Kopf hatte ich plötzlich dunkelbraune, drahtige Locken, die vor allem im Zopf frech in alle Richtungen standen. Auch entlang der gesamten Pony-Partie wuchsen ganz neue Haare. Die sind inzwischen etwa 8 Zentimeter lang und umrahmen fröhlich mein Gesicht.

Meine Schleimhäute sind wieder komplett gesund. Ich habe keine Bauchschmerzen oder sonstigen Beschwerden mehr. Das ist fantastisch, habe ich schließlich so lange damit gelebt und musste mir immerzu anhören: “Dann ist das halt bei Ihnen so.”

Mein Zyklus hat sehr lange gebraucht, um sich einzupendeln. Im ersten Monat blieb meine Periode ganz aus und kam auch danach eher unregelmäßig. Seit einem Dreivierteljahr ist mein Zyklus aber sehr regelmäßig und zuverlässig und dauert rund 6 Wochen (laut Frauenärztin übrigens absolut in Ordnung, solange er regelmäßig ist).

Erst in der Zeit nach dem Absetzen habe ich gemerkt, wie stark die Pille wirklich in den Körper eingreift.

Die Kupferkette als Alternative?
Die Pille erscheint praktisch zu sein. Fand ich auch immer. Bei näherem Hinsehen war sie das aber doch nicht. Du musst jeden Tag an sie denken. Bei Vergessen, Durchfall, Erbrechen oder Antibiotikum musst du noch zusätzlich verhüten, weil die gewünschte Wirkung ausbleiben kann. Das ist schon ziemlich unpraktisch.

Es gibt so gute Alternativen zur Pille und anderen hormonbasierten Verhütungsmitteln. Eine Verhütungsmethode, die gerade im Kommen ist, ist die Kupferkette. Dabei handelt es sich um einen Nylonfaden, an dem 4 (bzw. 6 bei Frauen mit Kind) Kupferstückchen hängen. Dieser Nylonfaden wird in die obere Gebärmutterwand geknotet. Die Kupferkette kann frei schwingen, was ein wesentlicher Vorteil gegenüber einer Spirale ist. Auch kann sie nicht verrutschen.

Die Kette gibt Kupfer-Ionen ab, was verhindert, dass Spermien die Eizelle befruchten können. Sollte es doch zu einer Befruchtung kommen, verhindert sie darüber hinaus die Einnistung in der Gebärmutter. Mit einem Pearl-Index von 0,1 bis 0,5 ist sie damit sicherer als die Pille (Pearl-Index 0,1 bis 0,9; Minipille sogar 0,5 bis 3).

Sie ist für Frauen jeden Alters einsetzbar und kann bis zu 5 Jahre in der Gebärmutter verbleiben. Diese lange Zeit tröstet auch über den zunächst hoch erscheinenden Preis hinweg. Je nach Frauenarzt kostet die Kupferkette und ihr Einsatz 250 bis 350 Euro. Allerdings setzt sie nicht jeder Arzt ein, da dafür eine Schulung notwendig ist. Einzig und allein für Frauen mit Kupferallergie oder mit einer zu dünnen Gebärmutterwand (weniger als 1 Zentimeter) eignet sich die Kette nicht.

Zurück zur Natürlichkeit mit NFP
Eine andere Methode, die ganz auf Hilfsmittel und Eingriffe in den Körper verzichtet ist die Natürliche Familienplanung (NFP). Diese Methode habe ich häufig belächelt, allerdings nur bis ich mich damit auseinander gesetzt habe. Die NFP bringt uns nochmal näher zu uns selbst. Wir bestimmen an Hand unserer Temperatur und der Beobachtung des Zerfixschleims, wann unsere fruchtbaren Tage sind. Manche Frauen tasten zusätzlich (oder statt der Untersuchung des Schleims) ihren Muttermund ab. Dieser ist nach der Menstruation hart und kann durch seine tiefe Lage gut ertastet werden. Nähern wir uns dem Eisprung an, wandert der Muttermund nach oben, wird weicher und öffnet sich leicht. In dieser Phase kann es schwieriger sein, den Muttermund zu erreichen. Nach dem Eisprung wird der Muttermund wieder hart.

Hört sich hinterwäldlerisch an? Fand ich auch immer. Und doch finde ich diese Methode der Verhütung inzwischen sehr reizvoll. Die Methode braucht zwar etwas Übung, ist dann aber sehr sicher (3 von 1000 Frauen werden pro Jahr  mit dieser Methode schwanger). Etwas ausführlicher kannst du das bei Maggie auf FvckLuckyBeHappy nachlesen.

Ohne Pille lebt es sich besser
Dieser Artikel brennt mir schon länger unter den Nägeln. Viel zu leichtfertig und gedankenlos wird die Pille verschrieben und genommen. Ich bin der festen Überzeugung, dass es uns ohne die Pille wesentlich besser geht. Das denke ich auch dann, wenn mich mal starke Unterleibskrämpfe heimsuchen. Natürlich ist das nicht schön und zwingt mich manchmal in die Knie, sodass ich einfach nur mit einem Körnerkissen auf der Couch liege.

Aber diese Schmerzen habe ich nicht, weil mein Körper krank ist, sondern weil er genau so arbeitet wie er soll. Ich kann meinen Körper dabei bestmöglich unterstützen. Ich nehme die Beschwerden an wie sie sind und mache das Beste daraus. Sie werden schließlich nicht besser, indem ich mich selbst bemitleide. Indem ich mich aber damit abfinde und meinem Körper Verständnis und Liebe entgegenbringe, kann ich diese Phase um einiges besser überstehen.

Unser Körper ist unser Zuhause. Wenn wir uns nicht mit ihm auseinander setzen oder (zum Beispiel durch die Pille) sogar von ihm entfernen, fühlen wir uns immer wie in einer Pension. Es ist ganz okay, aber so richtig wohl fühlen wir uns auch nicht. Denn nur unser Zuhause gibt uns ein Gefühl von Geborgenheit und Wohlbefinden. Ich möchte mir dieses Gefühl erhalten.


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2 thoughts on “Wie die Pille unbemerkt unseren Körper und unsere Weiblichkeit angreift

  1. Hallo Maike!

    Ob du es glaubst oder nicht: Dieser Artikel kommt genau zur richtigen Zeit. Ich habe vor einem Monat ebenfalls die Pille absetzen müssen (aus finanziellen Gründen) und bin nun am Überlegen, ob ich damit überhaupt wieder anfangen soll.
    Nicht nur, dass die vermehrt kritischen Schlagzeilen in den letzten Monaten mich misstrauisch gemacht haben – auch zu meinem Lebensstil will diese Verhütungsmethode nicht mehr so recht passen. Ich bin mir aber noch nicht sicher, welche alternativen Methoden ich wählen werde und fand deinen Artikel sehr hilfreich, um einen kleinen Einstieg in die Thematik zu erhalten.

    Danke dir! :)

    Liebe Grüße
    Jenni

    • Hallo Jenni,
      komisch manchmal, solche Zufälle. :-)

      Es freut mich, dass ich dir einen Überblick geben konnte. Wenn du die Pille nun eh schon absetzen musstest, würde es sich ja anbieten, die Methode zu wechseln. Wenn du dich unwohl mit der Pille fühlst, solltest du sie nicht wieder nehmen. Ich erinnere mich noch an diese freie Gefühl, dass ich bereits ein paar Tage nach Absetzen der Pille gespürt habe. Schon der Gedanke, die Pille erneut zu nehmen, bereitete mir Unbehagen. Vielleicht geht es dir ja ähnlich. Eine Rückkehr zur Pille hätte mir ein Stück weit Lebensqualität genommen.

      Vielen lieben Dank für deinen Kommentar!

      Lieben Grüße
      Maike

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