Wie du dich vom Weihnachtsstress befreist

weihnachtsstress

In drei Tagen ist Heiligabend und die Stimmung um mich herum ist so stressig, dass ich beinahe angesteckt werde. Aber nur beinahe. Denn jeglicher Stress zu Weihnachten wird nicht durch das Fest selbst ausgelöst, sondern durch uns. Denn Weihnachten ist einfach Weihnachten. Stressig wird es erst, wenn wir es dazu machen. Das Gute: Wenn wir Weihnachten zu einem Fest voller Stress und Gehetztheit machen können, können wir ihm den Stress auch nehmen.

Zugegeben, den Artikel hätte ich auch schon ein paar Wochen früher schreiben können. Allerdings hatte ich erst jetzt, in dieser kochenden Weihnachtsstimmung, die Idee dazu.

Auslöser für Stress
Es ist nicht das Fest an sich, das Stress in uns auslöst. Es sind die vielen kleinen Dinge, die zu Weihnachten dazugehören.

1. Das Essen
Natürlich soll das Essen an Weihachten etwas ganz Besonderes sein. Nicht das, was man jeden Tag isst. Dafür kann man auch ruhig mal drei (oder fünf) Stunden in der Küche stehen, mit einer Hand nebenbei noch die Tischwäsche bügeln und mit dem Fuß den Boden wischen. Hauptsache am Ende steht ein Essen auf dem Tisch, das schmeckt wie von Engeln zubereitet und beeindruckend aussieht.

2. Der Baum / Die Deko
Prächtig soll er sein. Nicht zu voll, aber auch nicht zu mager. Schön gerade und nicht krumm. Die Lichter und die Kugeln sollen in einem perfekten Abstand zueinander hängen. Farblich natürlich aufeinander abgestimmt. Wenn beim Schmücken eine Kugel zerspringt, ist Panik angesagt. Plötzlich ist eine leere Stelle im Baum, an der eigentlich die Kugel hätte hängen sollen. Was jetzt? Nochmal losfahren und neue Kugeln kaufen? Oder den Baum einfach drehen? Aber dann sieht man ja den Knick im Zweig, der an der Wand so gut versteckt war…

3. Die Geschenke
Die Geschenke sollen das Fass natürlich zum Überlaufen bringen. Wohldurchdacht. Ganz genau passend. Keiner soll am Ende enttäuscht sein. Und gerade deswegen rennen die Menschen an einem Tag wie heute, drei Tage vor Weihnachten, panisch in den Läden umher. Fassen hier etwas an, greifen dort zu – und stehen schon bald dem Heulkrampf nahe mit leeren Händen mitten im Laden, weil sie nicht auf das perfekte Geschenk gestoßen sind. Deswegen geht es sofort ab in den nächsten Laden, wo gerempelt, gepöbelt und aus dem Wagen gemopst wird.

4. Die Tradition
Wir fühlen uns vor allem an Weihnachten verpflichtet, Traditionen aufrecht zu halten. Machen wir es anders, fühlen wir uns schuldig und irgendetwas scheint zu fehlen. Deswegen wird jedes Jahr aufs Neue das gleiche Weihnachtsprogramm durchgezogen, das schon bei Oma Trudi und ihren Eltern Pflicht war. Sobald eine (unerwartete) Abweichung dieses Programms kommt, fühlen wir uns gestresst. Wenn das Oma Trudi sehen würde… Aber nicht nur das stresst uns an diesen Traditionen, dazu aber später mehr.

Der Sinn von Weihnachten
Weihnachten hat für jeden von uns einen übergeodneten Sinn. Die einen feiern tatsächlich die Geburt Christi. Den anderen geht es an Weihnachten um etwas ganz anderes. Ich feiere nicht die Geburt Christi. Deswegen habe ich mir selbst die Frage gestellt: Warum feiere ich eigentlich Weihnachten? Was ist mein Sinn von Weihnachten?

Mein Sinn von Weihnachten ist das Geben. Es geht mir nicht bloß um materielles Geben und Geld. Es geht mir ums Geben in jeder Hinsicht. Liebe, Zeit, Hoffnung, Kraft. Es geht für mich darum, jemand anderem etwas zu geben, was er braucht oder ihn glücklich macht. Geben ist Liebe.

Und nun überleg dir mal, was dein Sinn von Weihnachten ist. Warum feierst du Weihnachten? Was bedeutet dir Weihnachten? Überleg es dir genau jetzt! Und dann erst lies weiter.

Besinne dich auf deinen Sinn
Ein Fehler, den wir gerade an Weihnachten häufig machen, ist das Ausrichten von Weihnachten am Außen. Wir wollen, dass nach Außen hin alles perfekt wird. Wenn wir aber nochmal mit unserem Sinn im Hinterkopf auf Weihnachten blicken, sieht Weihnachten ganz anders aus:

1. Das Essen
Auch ich möchte an Weihnachten etwas Besonderes essen. Ein gut und besonders zubereitetes Essen ist für mich eine Art, Liebe zu geben. Wenn die Vorbereitung dafür allerdings in Stress ausartet und ich mich verkrampfe und die Vorbereitung verfluche, ist die Liebe dahin. Ich kann einfach keine Liebe in ein Essen stecken, das mich stresst. Ein gutes Essen ist dann ein Pflichtprogramm und hat nichts mehr mit meinem Weihnachtssinn zu tun.

2. Der Baum / Die Deko
Das Gleiche gilt dür die Deko. Perfektion stresst. Gerade beim Weihnachtsbaumkauf ist Perfektion eh fehl am Platze. Der perfekte Baum existiert: Zusammengefaltet in einer Pappschachtel mit der Aufschrift “Künstlicher Weihnachtsbaum”.

Ein Weihnachtsbaum ist ein natürliches Produkt und wie alle natürlichen Produkte hat er Ecken und Kanten. Was bringt mir ein perfekt geformter Baum? Der Baum im Wohnzimmer ist ein Zeichen für Leben. Symbolisiert die Suche nach dem perfekten Baum, dass nur “perfektes” Leben beachtenswert ist? Ist es nicht eine Wertschätzung an das Leben und damit an jeden einzelnen von uns, wenn wir einen unperfekten Baum aufstellen und feiern?

3. Die Geschenke
Puuh, die Geschenke! Was sonst bereitet so viel Kopfzerbrechen und Haareraufen? Wir machen uns einen tierischen Stress und fühlen uns schlecht, wenn die Geschenke dieses Jahr kleiner ausfallen als sonst. Dabei ist das Geben an sich und nicht der Wert, die Geste auf die es ankommt. In diesem Zusammenhang habe ich neulich eine großartige Weihnachtskurzgeschichte gelesen, die ich mit dir teilen möchte:

Auf einer abgelegenen Südseeinsel lauschte ein Schüler aufmerksam der Weihnachtserzählung der Lehrerin, die gerade erklärte: “Die Geschenke an Weihnachten sollen uns an die Liebe Gottes erinnern, der seinen Sohn zu uns auf die Erde gesandt hat, um uns zu erlösen, denn der Gottessohn ist das größte Geschenk für die ganze Menschheit. Aber mit den Geschenken zeigen die Menschen sich auch untereinander, dass sie sich lieben und in Frieden miteinander leben wollen.”
Am Tage vor Weihnachten schenkte der Junge seiner Lehrerin eine Muschel von ausgesuchter Schönheit. Nie zuvor hatte sie etwas Schöneres gesehen, das vom Meer angespült worden war.
“Wo hast du denn diese wunderschöne und kostbare Muschel gefunden?”, fragte sie ihren Schüler. Der Junge erklärte, dass es nur eine einzige Stelle auf der anderen Seite der Insel gäbe, an der man gelegentlich eine solche Muschel finden könne. Etwa 20 Kilometer entfernt sei eine kleine versteckte Bucht, dort würden manchmal Muscheln dieser Art angespült.
“Sie ist einfach zauberhaft”, sagte die Lehrerin. “Ich werde sie mein Leben lang bewahren und dich darum nie vergessen können. Aber du sollst nicht so weit laufen, nur um mir ein Geschenk zu machen.”
Mit leuchtenden Augen sagte der Junge: “Der lange Weg ist ein Teil des Geschenkes.”

Es kommt nicht darauf an, was du schenkst, sondern mit welchem Hintergrund. Wird es Menschen geben, die nur teure Geschenke zu würdigen wissen und enttäuscht sind, wenn du ihnen “nur” eine Muschel schenkst? Na klar! Es gibt auch Menschen, die ihre Enttäuschung darüber ganz offen zeigen.

Ich habe gelernt, darüber zu stehen. Wenn ich ein Geschenk auswähle, dann mit besten Wissen und Gewissen. Ich habe mir Gedanken gemacht, mir vielleicht sogar den Arsch dafür aufgerissen und somit meine ganze Liebe hineingesteckt. Wenn der Beschenkte das nicht zu würdigen weiß, ist es sein Problem, nicht meins.

Natürlich ist es traurig. Aber es wird immer wieder passieren, dass wir ein Geschenk auswählen, das doch nicht so passt. Und es ist natürlich auch grandios, wenn es genau das richtige Geschenk ist.

Wenn ich mich aber auf meinen Weihnachtssinn besinne, geht es nicht darum an Weihnachten. Es geht ums Geben an sich. Um die Liebe. Und darum, dass man gibt, was man eben geben kann. Solange das Geschenk aus dem Herzen kommt und nicht um des Schenkens willen geschenkt wird, bleibt der Sinn von Weihnachten gewahrt.

4. Die Tradition
Früher bin ich mit meinen Eltern an Heiligabend immer in die Kirche gegangen und fand das sehr schön. Als ich älter wurde und selbst bestimmen konnte, ging ich auch weiterhin in die Kirche. Ich fand es inzwischen nicht mehr so schön wie früher, weil ich keinen persönlichen Bezug zu Gott und der Kirche hatte. Trotzdem ging ich weiter hin. Warum? Aus Pflichtgefühl. Ich wollte meinen Eltern nicht auf die Füße treten, indem ich mit dieser Tradition breche.

Aber irgendwann habe ich es einfach gelassen. Es passte einfach nicht zu mir, machte mich nicht glücklich, setzte mich sogar unter Druck. Das war nicht mein Sinn von Weihnachten. (Inzwischen gehen meine Eltern an Heiligabend übrigens auch nicht mehr in die Kirche – sie haben es eigentlich nur für uns Kinder gemacht. Der ganze Stress also umsonst…)

Auch du folgst sicher Traditionen aus Pflichtgefühl oder Gewohnheit. Lass es! Es bringt dir nichts. Es hat nichts mit Liebe zu tun, denn es ist einfach nur eine Last. Wem willst du damit etwas beweisen? Schaffe dir eigene Traditionen. Feier Weihnachten so, wie DU es für richtig hältst. Damit ersparst du dir einigen Weihnachtsstress.

Fröhliche (stressfreie) Weihnachten!
Der Schlüssel zu einem entspannten Weihnachten ist also, dich auf deinen Sinn von Weihnachten zu besinnen – egal, ob er religiös ist oder nicht. Mit deinem Sinn im Herzen, triffst du in Bezug auf Weihnachten ganz andere Entscheidungen. Die Feierage werden stressfreier, lieblicher, besinnlicher. Und wann immer der Stress wieder hochkommt, besinne dich auf deinen Sinn.

Übrigens hilft das Besinnen auf unseren Sinn bei allen größeren Festen, den Stress von uns fernzuhalten. Silvester, Geburtstag, Hochzeit – hinterfrage deinen Sinn und handle mit diesem Sinn im Herzen.

Und bevor ich dir ein frohes Fest wünsche: Verrate mir doch in den Kommentaren, was dein Sinn von Weihnachten ist. Ich bin gespannt!

Frohe Weihnachten!


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4 thoughts on “Wie du dich vom Weihnachtsstress befreist

  1. Hallo Maike,

    dein Beitrag gefällt mir sehr gut. 😉
    Dem Geschenkestress sind wir schon vor langer Zeit entkommen – zum Glück! Wir schenken nur etwas, wenn es auch passt und das kann eben irgendwann mitten im Jahr sein. Dann, wenn jemand wirklich etwas möchte und nicht an Weihnachten, wenn es einem quasi vorgeschrieben wird.
    Mit den Traditionen hatten wir wahnsinnige Probleme. Natürlich ist man total eingefahren, aber das Leben verändert sich und es gibt leider viele Menschen, die das nicht akzeptieren können. So enstehen unnötige Streits, die in der Weihnachtszeit eigentlich nicht stattfinden sollten. Da sich in diesem Jahr wieder etwas verändert hat, haben wir nach dem Prinzip “Wer zuerst kommt, malt zuerst.” gehandelt. Die, die sich als erstes ein konkretes Beisammensein ausgedacht haben, haben eben auch dafür die Zusage bekommen. Das ersparte uns in diesem Jahr enorm viel Stress! Zwar gab es wieder die Diskussionen, warum wir Heiligabend alleine verbringen wollen, aber da stehen wir mittlerweile drüber. :-)

    Ich wünsche dir noch eine schöne Zeit, frohe Weihnachten und einen guten Rutsch!

    Liebe Grüße,
    Stil-Helferin Jessi

    • Hallo Jessi,

      vielen Dank für deinen Kommentar! Ich finde es gut, wie ihr es mit den Geschenken handhabt. Ich finde auch, dass Geschenke das ganze Jahr über angebracht sind und umso mehr denke ich eben deswegen, dass es an Weihnachten nicht auf materielle Geschenke ankommt – vor allem, wenn es so gezwungen ist.

      Gut, dass du die einzelnen Feiern ansprichst. Die haben natürlich auch nochmal ein riesiges Stresspotential. Viele haben ja so viele Termine, dass sie sich am liebsten zerreißen würden. Und auch hier sollte keiner aus Pflichtgefühl handeln: Weihnachten sollten wir mit unseren Liebsten feiern und nicht pflichtbewusst alle abklappern, die uns einladen. Das kann man (wenn es denn sein muss) an anderen Tagen machen, nicht aber an Weihnachten, dem Fest der Liebe. Natürlich stoßen wir dabei manche vor den Kopf. Dafür können wir die Feiertage genießen und so feiern, wie es uns gut tut.

      Dir auch schöne Feiertage und einen guten Rutsch. Danke dir!

      Viele Grüße
      Maike

    • Hallo Tori!

      Ich freue mich, dass dir mein mein Artikel so gut gefällt. Toll, wenn ich dich zu noch entspannteren Tag inspirieren konnte. :-)

      Fröhliche Feiertage und einen guten Rutsch!

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