Warum das Leben keine Sackgasse sein muss

Sackgasse

Hier bei uns im deutschsprachigen Raum ist Geradelinigkeit das Maß aller Dinge. Schule, Ausbildung oder Studium und anschließend 30, 40 Jahre im selben Unternehmen arbeiten, das scheint erstrebenswert zu sein. Für einige mag das zutreffen – für mich und unzählige andere aber nicht. Trotzdem zwängen sie sich in das System und sind entweder unglücklich, weil sie vor Langeweile fast eingehen. Oder sie fühlen sich als Versager, weil sie es nicht schaffen, so geradlinig zu sein. Schluss damit!

Ich vergleiche dieses System immer gerne mit einer Sackgasse. Wie fahren und fahren und überschreiten dabei auch gerne mal die Höchstgeschwindigkeit, nur um so schnell wie möglich in der Sackgasse anzukommen. Was da passiert? Nichts. Stillstand. Wir hören auf, uns weiter zu entwickeln, denn wir sind ja da, wo wir immer sein wollten.

Oder?

Das zweite System, das andere Länder geradezu zelebrieren, ist der Highway. Eine Straße, die quer durch ein Land führt. Wir fahren durch unendliche Weiten, spüren die Freiheit in unserem Haar und unserem Herzen, nehmen ab und zu eine Ausfahrt, die uns anspricht. Wenn uns gefällt, was wir sehen, bleiben wir. Wenn nicht, fahren wir halt wieder auf den Highway.

Vielleicht nehmen wir zwischendurch eine Abzweigung zu einem anderen Highway, weil uns der andere langweilt. Und vielleicht merken wir beim Fahren, dass wir den anderen doch viel schöner fanden und kehren um.

Wenn du das im Urlaub machstest, würdest du dich rechtfertigen? Nein, natürlich nicht. Müsstest du auch nicht. Jeder hat Verständnis dafür, wenn wir im Urlaub nur den schönsten Plätzen folgen. Sobald wir das aber in unserem Leben machen, ernten wir skeptische Blicke und Kopfschütteln.

Ich habe auch lange geglaubt, ich müsste meinen Entscheidungen treu bleiben. Macht man schließlich so. Ich war im Gegensatz zu meiner Schwester immer die Geradlinige. Die ihren Weg geht und genau weiß, was sie will. Nach dem Abi habe ich angefangen zu studieren, immer mein Ziel vor Augen. Mein Ziel änderte sich zwischendurch zwar, trotzdem passte ich es immer an mein Studium an.

Ich studierte und studierte, sagte jahrelang brav meinen Text auf, was ich denn nach dem Studium mal machen will. Auch dann noch als ich mich eigentlich schon längst von dieser Vorstellung verabschiedet hatte. Im Frühjahr letzten Jahres unterbrach ich das Studium aus mehreren Gründen für ein Semester. In dieser Zeit wurde mir Vieles klar. Ich erkannte, dass ich das Ende meines Studiums unbewusst aufschob. Das Studium abzuschließen bedeutete, mir danach einen Job suchen zu müssen. Und zwar genau den Job, den ich jahrelang als den perfekten angepriesen hatte. Und das, obwohl innerlich diese Perfektion immer mehr bröckelte. In meiner Vorstellung war der Job auf einmal das völlig Falsche für mich.

Eines Tages traute ich meiner Mutter an, dass ich erstmal nicht vorhabe im Bereich meines Studiums zu arbeiten. Das war ein größerer Schock als ich vermutete. Plötzlich war ich die Sprunghafte, die verrückte Sachen vor hat und sich von einem konventionellen Leben verabschiedete. Plötzlich wurde ich mit sorgvoller Mine gemustert als wäre ich totkrank. Sogar von meiner Schwester.

Ich mache dafür niemandem einen Vorwurf. Wenn überhaupt mache ich der Gesellschaft einen Vorwurf, weil sie uns einzureden versucht, unkonventionell zu denken und zu handeln wäre schlecht.

Jetzt aber möchte ich unkonventionell sein. Es fühlt sich in genau diesem Moment absolut richtig an. Meine ursprüngliche Vorstellung für das Berufsleben nach dem Studium kommt mir schon jetzt grau und trist vor. Wenn ich in mich hinein höre, schreit mein Herz laut und deutlich “nein, tu das bloß nicht.”

Ich könnte es trotzdem machen. Um die Gesellschaft und die Wertvorstellung anderer Leute zufrieden zu stellen. Aber was habe ich davon?

Ich möchte mein Auto über den Highway steuern. Ich muss nicht wissen, wo die Reise endet und ob überhaupt. Ich möchte weder in eine Sackgasse steuern noch gefahren werden.

Werde dir klar darüber, was du vom Leben erwartest. Wenn du aus tiefstem Herzen 40 Jahre in ein und derselben Firma arbeiten möchtest, ist das super. Wenn du das allerdingst nur willst, weil du dich von der Gesellschaft dazu gezwungen fühlst, hör auf damit. Egal, ob du in deine Ausbildung viel Zeit und Geld investiert hast oder allen anderen deinen bisherigen Lebensweg für den einzig wahren verkauft hast: Scheiß drauf! Es ist völlig unwichtig, was in deiner Vergangenheit war. Wichtig ist, was heute ist und du wirst nicht glücklich, indem du anderer Menschen Vorstellung folgst. Bei mir ist es nichts anderes. Studium hin oder her. Ich fand es plötzlich unlogisch nicht das zu machen, wofür mein Herz brennt.

Das Leben bietet tausende Möglichkeiten. Du musst nicht bei einer verharren.

“Ja, aber …”, sagst du jetzt vielleicht. Schluss! “Ja, aber …” ist ein Satzanfang, den ich aus meinem Leben zu streichen versuche. Er bringt nichts. Er blockiert. Er schafft Probleme. Er richtet dein Leben auf Angst aus. “Ja, aber …” beschränkt deine Möglichkeiten in so großem Maß. Lass dich nicht von diesem tückischen Satzanfang täuschen. Hör allein darauf, was dein Herz dir sagt. Wenn dein Herz sagt, schreib ein Buch, schreib es. Wenn dein Herz sagt, zieh nach Las Vegas, zieh dorthin. Wenn dein Herz sagt, mach nochmal eine neue Ausbildung, do it!

Kein “ja, aber …”, kein “was ist, wenn …”  und auch kein “das geht doch nicht”. Mach dir klar, was du willst und arbeite darauf hin. Unternimm die Schritte, die nötig sind, um dein Ziel zu erreichen. Finde Lösungen, keine Probleme. Denn nur so kommst du im Leben weiter.

Denk immer dran: Das Leben ist keine Sackgasse, sondern ein Highway. Wenn du es dazu machst.

2 thoughts on “Warum das Leben keine Sackgasse sein muss

  1. Liebe Maike! Was für ein toller Post! Er hat mich sehr berührt, da ich gerade eine ähnliche Entscheidung getroffen habe! Ich habe im November endlich mein 1. Staatsexamen in Jura bestanden und “wollte” Anfang Januar nun eigentlich das Referendariat und damit das 2. Staatsexamen angehen. Nur, dass ich das eigentlich nicht wollte. Aber jeder erwartet es von mir. Ich habe mich nun dagegen entschieden. Ich habe auch Angst vor den Konsequenzen, aber ich halte mich an dem Gedanken fest, dass sich mein Weg schon entfalten wird. Ich muss nur erstmal den ersten Schritt gehen. Und dann den zweiten… und so weiter!
    Ich wünsche Dir jedenfalls alles Gute für Deine neue Zukunft! Fahr vorsichtig! 😉 und ich bin gespannt, darüber zu lesen!
    Viele Grüße, Deine Katrin

    • Liebe Katrin,
      herzlichen Glückwunsch zu deinem Staatsexamen, vor allem aber herzlichen Glückwunsch zu deiner Entscheidung.
      Natürlich erwartet jeder von dir, dass du weiter machst. Was sollst du auch sonst machen? Alles andere wäre doch brotlos… Willst du etwa auf der Straße landen?

      Jura ist etwas, was alle kennen. Es ist hoch angesehen und für jeden greifbar. Aber niemand kann die Zukunft voraussagen. Es hört sich vielleicht vernünftig an, dein zweites Staatsexamen zu machen, aber ob es das wirklich ist, ist fraglich. Wie vernünftig ist es, auf eine Zukunft zuzusteuern, von der wir jetzt schon wissen, dass sie nicht richtig für uns ist? Wie vernünftig ist es, die wenige Zeit, die wir haben für ein Studium aufzuwenden, das uns doch nicht so packt, wie wir anfangs dachten?

      Tatsächlich weißt nur du allein, was “vernünftig” für dich heißt. Viele Menschen hören zu wenig auf ihre Gefühle und zu viel auf andere Menschen. Und eh sie sich versehen, stecken sie in einem Leben fest, dass sie so eigentlich nie wollten und sie auslaugt.

      Ich finde es ganz großartig, dass du deinen eigenen Weg gehen willst. Und sobald Zweifel auftreten, egal ob von anderen oder auch dir selbst, schreib mir! Wir sitzen schließlich im selben Boot :-)

      Liebe Grüße
      Maike

      P.S.: Suzanne von FreeYourWorkLife hat einen tollen und motivierenden Artikel zu diesem Thema geschrieben. Schau mal rein: http://freeyourworklife.de/du-bist-adele/

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