Warum es Blödsinn ist, erwachsen sein zu wollen

Erinnerst du dich an deine Pubertät? Was ich da nicht alles versucht habe, um erwachsen zu wirken. Ich habe alles vermieden, was kindisch wirken könnte. Ökobeutel zum Beispiel. Mega peinlich, schließlich habe ich die auch schon als Kind mit mir herum getragen. Ich weiß nicht warum, aber diese Erinnerung ist mir bis heute im Kopf geblieben. Erinnerst du dich auch noch an so etwas? Bist du nicht auch froh, dass diese Zeit vorbei ist und du endlich erwachsen bist?

Bist du es denn tatsächlich oder tust du nur so? Auch weit jenseits der Pubertät gibt es nämlich noch einige, die krampfhaft versuchen, um jeden Preis erwachsen und ihrem Alter entsprechend zu wirken. So legen sie sich Verhaltensregeln auf, wie ein erwachsener Mensch zu sein hat.

Laut in der Öffentlichkeit lachen? Völlig unangebracht! Einen Flechtezopf tragen oder sogar zwei? Also bitte! Die Nacht durchmachen und bis mittags schlafen? Aus dem Alter bin ich raus!

Wenn du dich wieder erkennst, solltest du auf jeden Fall weiterlesen. Denn dann spielst du nur eine Rolle und das wird dir auf Dauer nicht gut tun.

Diese Rolle, die du da spielst, diese erwachsene Person, die du verkörpern möchtest, ist eine Illusion. Es gibt sie nicht. Denn es gibt nicht den ultimativen Erwachsenen.

Sicher, da sind einige Eigenschaften, die Erwachsenen zugeschrieben werden. Eine weit verbreitete Annahme ist zum Beispiel, dass Erwachsene ernst sein müssen. Denn das Leben ist nun mal ernst. Albern und lebensfroh zu sein ist das Privileg der Kinder.

Das ist Unsinn!

Natürlich ist in manchen Situationen Ernsthaftigkeit gefragt. Das passiert aber automatisch, wenn man erwachsen wird. Es nennt sich Reife. Wenn diese Situation vorüber ist, kann ich doch aber voller Elan mit meinem Tretroller nach Hause fahren. Oder nicht? Ich muss die Stimmung aus dem Bankgespräch oder der Zeugenaussage doch nicht mit zu der Geburtstagsfeier bringen. Nur weil irgendwann mal jemand beschlossen hat, Erwachsene haben ernst zu sein. Sobald du so einen Gedanken im Hinterkopf hast, bist du nicht du selbst, sondern fremdgesteuert. Du wirkst verkrampft und völlig unlocker. Andere merken das!

Jemand [die Gesellschaft] hat Maßstäbe in deinen Kopf gepflanzt, die dein Leben bestimmen. Übrigens die gleiche Gesellschaft, die auch beschlossen hat, dass Frauen die Maße 90-60-90 haben müssen, um richtig sexy zu sein. (Ich denke, du verstehst, was ich sagen will…)

All diese Maßstäbe sind einfach völlig willkürlich und realitätsfern. Richtest du dich nach solchen Maßstäben, versaust du dir dein eigenes Leben. Du trinkst ab sofort nur noch Wein zum Essen (natürlich mit Hilfe von richtigen Weingläsern und einer Dekantierkaraffe), tauschst deine geliebten Chucks gegen Pumps oder Anzugschuhe ein und redest nur noch über die wichtigen Dinge des Lebens (Politik und Wirtschaft, ist ja klar! – ähm, ja…).

Und warum? Damit dich andere für erwachsen halten.

Soll ich dir was sagen? Ich mag nicht nur Tretroller, sondern auch Stelzen und über Pfützen hüpfen. Ich führe auch liebend gerne Gespräche über Shampoo und Kräutertee und raste fast immer komplett aus vor Freude, wenn ich ein Pferd sehe (okay, jetzt habe ich vielleicht ein bisschen übertrieben).

All diese Sachen habe ich mir mühsam erarbeitet. Ich musste mir selbst eingestehen, dass ich diese Dinge mag und, was noch viel schwieriger war, auch dazu stehen. Denn auch ich wurde beeinflusst von der Gesellschaft. Stück für Stück wurde ich freier. Denn solange wir uns nach anderer Leute Meinung richten, solange wir lieber mit dem Strom schwimmen, anstatt unserer eigenen Stimme zu folgen, sind wir gefangen. Wir leben ein Leben, das uns aufgezwungen wurde. Und wir lassen es bereitwillig zu. Und das, obwohl wir in einem Land leben, in dem wir alle Freiheiten haben. Traurig, sie nicht zu nutzen. Findest du nicht?

Weißt du, was passiert ist, seit ich meine Vorlieben auslebe? Ich bin glücklicher geworden. Und das wars auch schon. Ich schätze, es gibt Menschen (natürlich viel erwachsenere als mich), in deren Augen ich in der Erwachsenenwelt nicht zurechtkommen kann. Na und? Die kennen mich offenbar nicht. Ich weiß es zum Glück besser. Soll ich mir tatsächlich in mein Leben reinfuschen lassen, damit ich bei diesen Menschen (die ich vermutlich selbst nicht mag) gut ankomme? Das ist doch Quatsch! Nein, das mache ich nicht mehr.

Und du solltest es auch nicht tun!

Du wirst automatisch erwachsen, du musst nicht nachhelfen. Du musst nicht wöchentlich ein Kaffeekränzchen à la Anne Will veranstalten. Du kannst genauso gut schaukeln gehen oder auf der Wiese Räder schlagen, wenn dir danach ist. Mit 25, 35 oder 45. Ganz egal. Was ist das Schlimmste, was passieren kann? Vielleicht, dass dich jemand schräg anschaut. Und warum wird er das tun? Entweder, weil er es selbst gerne machen würde oder weil er spießig ist. Sind das für dich echte Gründe, es zu lassen?

Was wolltest du immer schon tun? Hast es aber bisher immer gelassen, weil das in deinem Alter ja nicht geht? Fällt dir was ein? Dann tu es einfach. Es wird dich Überwindung kosten. Aber du wirst schnell merken, dass es gut ist, was du da tust. Lösche die Glaubenssätze, die dich an einem selbstbestimmten Leben hindern, aus deinem Kopf. Sie sind veraltet oder schlicht Schwachsinn.

Oder siehst du einen echten Sinn hinter Aussagen wie “Frauen ab 50 müssen sich eine Kurzhaarfrisur schneiden lassen” oder “Männer ab 35 sollten keine Turnschuhe mehr tragen”? Nein? Na also!

Mach Dinge, die dich glücklich machen und vergiss dein Alter dabei. Dinge, die sich für dich richtig anfühlen. Nur dann kannst du dich selbst verwirklichen. Nur dann bist du authentisch. (Und wenn es der Wein aus der Dekantierkaraffe ist, ist das auch in Ordnung. Hauptsache, du tust es für dich und nicht für andere!) Verschwende keine Energie dafür, dir Gedanken zu machen, was andere denken könnten.

Schaffst du es, ein eigenständiges Leben zu führen, dich selbst zu versorgen und Verantwortung für dein Handeln zu übernehmen? Kannst du Reife zeigen, wenn es auch wirklich drauf ankommt? Herzlichen Glückwunsch! Du bist ganz offensichtlich erwachsen!

Warum sollte eine Vorliebe für ferngesteuerte Autos daran etwas ändern?


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8 thoughts on “Warum es Blödsinn ist, erwachsen sein zu wollen

  1. Ich finde alleine schon das Wort "erwachsen" doof – das klingt, als wäre man aus irgendwas "herausgewachsen" und nach einem Endstatus – dabei ist doch jeder Tag Bewegung, wer will da schon rauswachsen? ;)

  2. Hallo Frau Mohr!
    Ja stimmt, so habe ich über das Wort noch gar nicht nachgedacht.
    Nein, ich möchte das Erwachsensein auch nicht als Endstatus sehen. Als würde ich aufhören, mich weiter zu entwicklen. Das wäre ja furchtbar!

    Viele Grüße!

  3. Nur allzu oft höre ich Sätze, wie "Und du willst 30 sein?" oder "Du bist ein Kind". Letzteres nehme ich als Kompliment, denn ja, was ist falsch daran sich über einen Regenbogen oder Kaninchen im Stadtpark zu freuen oder auch laut vor Freude zu lachen, sich nicht mehr einzukriegen, wenn etwas Unerwartetes passiert, das einem Glück und Freude bereitet? Das bin ich. Meistens bekomme ich positives Feedback zu meiner unbeschwerten Art, denn die Menschen in meinem Umfeld wissen, dass ich auch den Ernst des Lebens meistere, meine Rechnungen bezahle, Verhandlungen führe und so weiter. Dass Andere denken, ich sei naiv und verhalte mich nicht wie 30 nervt mich zwar, weil ich mich frage mit welchem Recht sie über mich urteilen und warum überhaupt, ist mir aber völlig egal, denn ich weiß, dass ich so glücklich bin.

    Viele Grüße
    Elisabeth

  4. Hallo Elisabeth!
    Genauso ist es! Solange wir auch die ernsten Dinge des Lebens selbst schaffen, können wir uns doch der Schönheit der Welt und dem Spaß des Lebens erfreuen!
    Und mach dir keine Gedanken über die Urteile der anderen, sie werden (und wollen) den Reiz des "Ewigen-Kind-Seins" vermutlich nie verstehen. Mach weiter so!

    Viele Grüße!

  5. Hallo Maike, ich habe deine Webseite gerade gefunden und fand diesen Artikel sehr erfrischend! Allerdings fürchte ich, dass es nicht so einfach ist. Auch wenn man sein inneres Kind rauslassen will, muss man doch die Realität berücksichtigen. Ich bin mittlerweile 22. Zuhause mit meiner kleinen Schwester tobe ich gerne und kommuniziere manchmal über Geräusche, um Emotionen auszudrücken (z.B. “yeeehaaa!”, oder als Antwort auf ein Wut-Kreischen ein ebenso lautes Genervt-Stöhnen etc.). Wenn ich solche Geräusche hier machen würde, währen meine Mitbewohner sicher sehr schnell sehr genervt.

    Manchmal wenn ich draußen auf der Straße bin, würde ich vor lauter Freude und Kraft gerne jauchzen und schreien, bloß muss ich dann hoffen dass niemand die Polizei ruft … :D oder den Krankenwagen…

    Ich bin auch mal eine Weile barfuß in der Uni rumgelaufen. Was angenehm ist, hat aber leider auch den Effekt, dass die meisten Leute einen nur misstrauisch anschauen und kurz angebunden sind. Gleicher Effekt, wenn man z.B. durch die Flure tanzt anstatt normal zu gehen. Es ist so schwer, neue Freunde zu finden, weil man zu andersartig erscheint, als dass jemand etwas mit zu tun haben wollen würde. Alleine auf einer Wiese oder im Wald rumzutoben ist auch langweilig, bloß finde mal einen 22-jährigen Menschen der auf sowas Lust hat.

    Die einzige Art, dass ich von der Gesellschaft überhaupt akzeptiert werde, ist, wenn ich mich verstelle und versuche normal und seriös zu wirken. Ich grenze mich schon genug ab, da ich viele “normale” gesellschaftliche Aktivitäten (Feiern, in Bars gehen, Kino) überhaupt nicht mag. Noch mehr Andersartigkeit ist der sichere weg in die Isolation. Leider ist es so, je mehr ich mich anpasse, desto mehr akzeptieren mich meine Mitmenschen.

    • Lieber Lukas,
      vielen Dank für deinen Kommentar, den ich gleichzeitig sehr schön und traurig finde.

      Ich spüre, dass so viel in dir steckt, das gelebt werden möchte. Und es schmerzt mich, zu lesen, dass du dich verstellst und anpasst.
      Frag dich bitte, welche Art von Menschen du in dein Leben ziehen möchtest. Und frag dich, ob du das erreichst, indem du dich verstellst. Und: Möchtest du denn überhaupt für etwas gemocht werden, das du nicht bist?

      Ich habe mich jahrelang verstellt, weil ich dachte, ich wäre nicht besonders genug. Dadurch wurde ich allerdings auch nicht besonders, denn ich war irgendwie gleichzeitig jedermann und doch niemand. Als ich anfing, ganz ich selbst zu sein, änderte sich alles. Ich habe wundervolle Menschen um mich herum, die mich um meinetwillen lieben. Dieses Gefühl möchte ich für nichts in der Welt eintauschen.

      Menschen wie du können dafür sorgen, dass unsere Welt bunter wird. Menschen wie du können dabei helfen, die Welt toleranter zu machen (und das ist wirklich bitter nötig). Ich habe die Hoffnung, dass unsere Generation einen großen Wandel im Denken bewirkt. Aber das funktioniert nicht, indem wir uns immer wieder in eine bestimmte Gesellschaftsvorstellung quetschen. Das funktioniert nur, indem wir sind, wer wir sind.

      Ich kann nachvollziehen, dass du Angst vor Isolation hast. Niemand möchte allein sein. Aber es gibt etliche Menschen dort draußen, die genau ticken wie du. Das Internet eröffnet uns da fantastische Möglichkeiten und an meiner Uni zumindest gab es immer wieder großartige Veranstaltungen um Gleichgesinnte zu treffen. Vielleicht rufst du ja selbst eine solche Veranstaltung ins Leben?! Der Sommer bietet sich dafür doch an.

      Lukas, dein Kommentar beschäftigt mich wirklich sehr. Ich danke dir unheimlich dafür und hoffe, ich konnte dich ermutigen, wieder mehr du selbst zu sein.

      Liebe Grüße
      Maike

      • Hallo Maike, danke für deine liebe Antwort.

        Ich schätze, jeder Mensch hat seinen eigenen Weg zur persönlichen Weiterentwicklung zu gehen. Das Leben ist ein großes Mysterium, und es geht immer irgendwie darum, eine die Beziehung zu sich selbst und der Welt aufzubauen und weiterzuentwickeln.

        So wie ich das herauslese, sprichst du auf deiner Seite hier vor allem Menschen an, die eine Beziehung zu sich selbst aufbauen müssen, um sich weiterzuentwickeln. Hierzu ist es nötig, seinen eigenen Weg zu gehen und die Außenwelt ein Stück weit an sich selbst anzupassen. Dies ist auch der Entwicklungsschritt, den jeder Mensch im Laufe seines Lebens immer wieder durchgehen muss, beginnend bei der Trotzphase im Kleinkindalter bis hin zum “Sturm und Drang” im frühen Erwachsenenalter. (Es ist übrigens bemerkenswert, dass sich dieser Zyklus auch gesellschaftlich über mehrere Jahrzehnte immer wieder ausdrückt). Dies ist die Phase der Konzentration (stärker werden).

        Dieser Entwicklungsschritt wechselt sich immer ab mit Phasen der Auflösung und der Transzendenz. Hierbei wird ein anderer Aspekt der Beziehung zwischen sich und der Welt weiterentwickelt. Ich habe bereits eine sehr gute Beziehung zu mir selbst. Meine Aufgabe ist es nun, die Welt und die Gesellschaft nicht mehr als Feind oder als einengend zu begreifen, sondern mich selbst in ihr auszudrücken, als ein Teil von ihr, und sie dadurch zu erweitern. Anpassung, in der richtigen Weise, ist nun keine Bürde mehr, sondern eine Tugend. Es geht nun nicht um eine Neuinterpretation des Selbst, sondern um eine Neuinterpretation der Außenwelt.

        Ich weiß nicht ob das jetzt zu abstrakt war; was ich nur sagen will ist, dass dich meine Situation nicht traurig machen sollte, da es mir eine Möglichkeit zur Weiterentwicklung gibt, anstatt sie zu nehmen. Mein ursprünglicher Kommentar klang wohl etwas weinerlich, weil ich sie nach dem Lesen deines Artikels aus eben dieser Perspektive geschrieben habe. Das ist aber eine Perspektive, von der ich mich derzeit eher entferne, was die ganze Sache, wie beschrieben, in einem anderen Licht dastehen lässt.

        Vielleicht wirst du auch irgendwann an diesen Punkt kommen und dich dann an unsere Unterhaltung erinnern =) Ich wünsche dir alles gute auf deinem Weg!

        • Da bin ich aber wirklich froh. Gut, dass du mich aufgeklärt hast. In der Tat klang in deinem Kommentar eine traurige Stimmung mit. Ich habe mir dich vorgstellt als barfußlaufenden Freigeist, der in einem Baum sitzt, sich aber langsam in einen ernsten, anzugtragenden Jedermann verwandelt. Wie beruhigend, dass es nicht so ist. :-)
          Ja, du hast recht: Ich möchte Menschen ansprechen, die noch keine gute Beziehung zu sich selbst haben.

          Und nein, du warst nicht zu abstrakt. Ich finde, das hast du sehr schön ausgedrückt.

          Herzlichen Dank! :-)

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