Wie Konsum und Besitz dich am Glück hindern

Bis vor einiger Zeit stand ich noch regelmäßig vor meinem (vollen!) Kleiderschrank und hatte nichts zum Anziehen. Ich habe die Türen auf gemacht und wieder zu, dann doch wieder auf, denn irgendwas musste ich ja anziehen. Gerade wenn etwas Besonderes anstand war ich nicht selten völlig ratlos bis hin zur Verzweiflung und habe meine Zeit viel zu lange mit der Frage vergeudet, was ich denn anziehen soll. Nochmal das Kleid vom letzten Geburtstag? Nee, was sollen denn die anderen denken? Oft bin ich shoppen gegangen um endlich wieder etwas schönes Neues zum Anziehen zu haben – aber irgendwie wurde mein Problem dadurch nicht aus der Welt geschafft. Denn ich habe eigentlich nur eingekauft, damit ich mehr habe. Deswegen habe ich auch Kleidung gekauft, die ich gar nicht brauchte, geschweige denn wirklich gut fand. Damit hatte ich noch mehr im Schrank, was ich nicht trug. Ein ewiger Teufelskreis… Zum Glück hat es bei mir irgendwann klick gemacht.

Als ich mal wieder meinen Kleiderschrank aufmachte, hat es mir gereicht. Ich durchforstete erneut genervt alle Stapel nach einem schönen Outfit und mir fiel ein Top in die Hand, das schon seit Jahren in meinem Schrank lag, ich aber noch nicht ein einziges Mal anhatte. Schwupp, raus aus dem Schrank, das hatte da nichts mehr zu suchen, nahm nur unnötig Platz weg. Plötzlich überfiel mich eine wilde Raserei. Ich holte Stapel für Stapel, Bügel für Bügel aus dem Schrank und warf alles auf mein Bett. Nachdem ich die Aktion kurz bereut hatte (oh nein, so viel Kram, das musste ja auch wieder aufgeräumt werden), nahm ich jedes Teil in die Hand und überlegte, ob ich es überhaupt noch brauchte. Erst zaghaft, dann immer bestimmter, sortierte ich die Klamotten aus, die ich noch nie oder schon lange nicht mehr getragen hatte. Die Sachen, die ich behalten wollte, legte ich direkt wieder in den Schrank. Der war nun äußerst übersichtlich. Aber es hat mich nicht gestört. Warum auch? Endlich hatte ich eine freie Sicht auf Kleidung, die ich auch wirklich trug. So kam mir mein Schrank sogar irgendwie voller vor.

Seitdem habe ich nur noch vereinzelt Klamotten gekauft. Hauptsächlich, weil ich sie brauchte. Newsletter von Online-Modehäusern lösche ich inzwischen sofort emotionslos. Sonst habe ich die Mails immer voller Aufregung gelesen, wenn im Betreff mal wieder so etwas stand wie “Ihr 10 €-Gutschein wartet” oder “Nur noch bis Sonntag: 70 % Sale!”.

Meine Aufräumwut ist ausnahmslos durch alle Zimmer und Schränke gegangen. So viel Kram, was sich anhäuft, in der hintersten Ecke der Schränke, liegt es da unnütz herum. Manches waren Geschenke, die ich nicht weggeben wollte (nicht, dass der Schenker das noch mitbekommt und enttäuscht ist), manches war einfach alt und inzwischen unbrauchbar geworden. Da war zum Beispiel die Geflügelschere, die ich geschenkt bekommen hatte, kurz vor meinem Entschluss, kein Fleisch mehr essen zu wollen. Fast drei Jahre lang lag sie unbenutzt in meiner Küchenschublade bis ich sie dem Schenker zurückgab (der natürlich fragte, warum ich sie überhaupt so lange aufbewahrt hatte…).

Je mehr ich aussortierte, desto besser ging es mir. Ich fühlte mich immer freier, als würde ich Ballast abwerfen und so war es ja eigentlich auch. Nichts war vor mir sicher: Badezimmerschrank, Schuhregal, Teeschublade, Schreibtisch, alles musste nach und nach dran glauben. Als ich fertig war, fühlte ich mich innerlich ruhig und zufrieden. Und ich erkannte eines: Ich brauche nicht viel Besitz um glücklich zu sein. Tatsächlich macht es mich glücklicher, wenig zu haben und nur das Nötigste zu konsumieren. Es macht das Leben leicht und unkompliziert.

Mit Bedauern beobachte ich inzwischen jene, die materiellen Gütern hinterher laufen. Die jedes Jahr aufs Neue vor Läden campieren, um mal wieder das neuste Handy zu haben. Die denken, ihr Leben würde besser oder glücklicher, hätten sie nur endlich den neusten Computer. Und es jedes Mal wieder aufs Neue sagen, weil ihr Leben dadurch eben nicht besser oder glücklicher wird. Ich verurteile niemanden dafür, denn sie wissen es vermutlich nicht besser. Ich wusste es ja auch nicht. Aber jetzt weiß ich es und aus dem Vergleich heraus kann ich sagen: Wahres Glück kommt nicht von der Anzahl an Besitztümern. Wahres Glück kommt von innen. Wer sein inneres Glück gefunden hat, dem ist es egal, wie alt sein Handy ist (oder ob er überhaupt eins hat) oder dass er nur fünf Pullis und zwei Hosen im Schrank hat. Denn mit diesem Bewusstsein verliert man auch die Bedenken, was andere von einem halten könnten.

Das Bewusstsein kommt nicht von jetzt auf gleich. Es braucht Zeit. Bei dem einen geht es vielleicht schneller, bei dem anderen langsamer, aber irgendwann kann jeder zu diesem Bewusstsein kommen. Fange doch schon heute damit an, indem du, wie ich, deine Wohnung ausmistest und damit deinen Geist befreist. Das war für mich ein entscheidender Schritt in die richtige Richtung. Weg von der Konsumgesellschaft. Näher an die Antwort auf die Frage, was im Leben wirklich wichtig ist. Mehr Zufriedenheit, auf Dauer!

Wie stehst du zu Konsum und Besitz? 


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