Wieso du dir selbst treu bleiben solltest

Unserem Glück steht leider oft im Weg, dass wir darüber nachdenken, was andere von uns halten könnten. Anstatt uns daran zu orientieren, wie andere etwas machen oder wie andere etwas von uns erwarten, sollten wir lieber in uns selbst hören und danach handeln. Dazu gehört vielleicht ein bisschen Mut, weil man auch mal “nein” sagen muss und anecken könnte. Aber es lohnt sich in jedem Fall. Es bedeutet Freiheit. Ich habe mich auch oft verstellt und Dinge gemacht, “die man eben so macht”. Aber es ist Blödsinn, es hat mir selbst gar nichts gebracht. Wenn wir aus Bequemlichkeit oder Scheu die Meinung der Mehrheit annehmen, können wir uns selbst nicht entwickeln.

Auch bei mir hat es irgendwann klick gemacht. Es begann mit einer ganz banalen Frage. Wie jedes Mal, wenn ich mit ein paar Menschen zusammen kam, wurde ich gefragt, ob ich ein Glas Sekt wolle. Es war im Grunde eine rhetorische Frage, denn, wie alle anderen Frauen auf den Treffen, trank ich immer Sekt. Bis ich einmal vor meiner Antwort kurz darüber nachdachte und ich mich selbst fragte, warum eigentlich. Auf einmal habe ich darin keinen Sinn mehr gesehen, denn, abgesehen vom gesundheitlichen Aspekt, hatte ich eigentlich auch keine Lust, beschwipst zu sein und mich dadurch zu verändern oder mich am nächsten Morgen schlapp zu fühlen.

Endlich hatte ich mal in mich hinein gehört und das bei einer Frage, die ich sonst eigentlich ohne Überlegungen beantwortet hatte. Seitdem trinke ich keinen Alkohol mehr.

Es klingt womöglich ziemlich unspektakulär, aber dieser Abend hat etwas ganz Entscheidendes in mir verändert: Ich fing langsam an, mir Gedanken darüber zu machen, was ich wirklich wollte und es wurde mir egal, wie andere darüber dachten. Man kommt einfach nicht weiter, wenn man nach den Vorstellungen anderer lebt. Es bringt niemandem etwas, wenn ich Politikerin werde, weil meine Eltern sich das wünschen, ich selbst aber eigentlich lieber Bildhauerin werden möchte. Oder wenn ich anfange, Tennis zu spielen, weil fast alle Freunde Tennis spielen, ich aber lieber zum Boxen möchte.

Ich kann nur jedem raten, auf sich selbst zu hören. Jeder sollte selbst wissen und entscheiden, was das Beste für einen selbst ist. Und wenn man doch mal daneben liegt? Na und? Das gehört dazu. Man hat eigene Erfahrungen gemacht, konnte daraus lernen und sich noch ein bisschen besser kennen lernen.

Gerade ältere Personen neigen dazu, einen mit ihrer eigenen Lebenserfahrung zu beschwichtigen. Dabei vergessen sie aber leider, dass vor ihnen ein anderer Mensch sitzt, als sie es in dem Alter waren und dass für diesen Menschen die Entscheidung ganz andere Auswirkungen haben könnte als damals bei ihnen. Wenn es sich in dem Moment richtig anfühlt, solltet ihr es machen. Weil auf die Nase zu fallen bei weitem nicht so schlimm ist, als später zu denken “Hätte ich damals mal…”.

Es wird immer Menschen geben, die etwas an anderer Menschen Entscheidungen auszusetzen haben. Manche aus Sorge, manche auch sicher aus Neid oder Groll. Egal, was der Grund ist, es geht um unser Leben und da sollte niemand anders reinreden. Auch wenn wir von anderen Ratschläge einholen, die letzte Entscheidung liegt doch bei uns.

Im ersten Moment erscheint es logisch zu sein, dass wir uns wohler fühlen, wenn wir der Masse folgen, tatsächlich ist aber gerade das anstrengend, weil manches davon eben nicht zu uns passt. Ebenso ist es, wenn wir in manchen Punkten eigentlich die Mehrheitsmeinung befürworten, uns aber trotzdem von der Masse abheben wollen – vielleicht um nicht spießig zu wirken. In beiden Fällen ist es uns wichtiger, wie wir auf andere wirken als glücklich zu sein. Durch mein oben genanntes Schlüsselerlebnis habe ich erkannt, wie falsch es ist, so zu denken. Denn wenn wir Dinge tun, nur um anderen zu gefallen, können wir damit nicht zufrieden werden.

Zu Beginn war es auch für mich nicht leicht, voll und ganz hinter meinen Entscheidungen zu stehen, weil ich immer die Meinung anderer in Hinterkopf hatte. Aber mit der Zeit habe ich gemerkt, wie gut das nicht nur meiner Seele tut, sondern auch meinem Charakter. So ist dieser Gedanke immer mehr in den Hintergrund gerückt. Rückblickend gab es auch gar keinen Anlass, sich Sorgen zu machen, denn die Menschen die uns nahe stehen, akzeptieren und unterstützen unsere Entschlüsse (trotz vorherigen Murrens) meistens trotzdem. Und alle anderen können uns doch wirklich egal sein!

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