Das Leben und ich // Du bist der Funken, nicht die Asche

Ich sitze im Restaurant des Hotels, beobachte ein Ehepaar beim Essen. Beide sind um die 60, vielleicht 65. Sie sitzen nebeneinander und starren in die Ferne. Vielleicht auf den Pool, vielleicht aufs Meer oder den Horizont. Ihr Gesichter sind ernst. Unentspannt. Ihr Mimiken vermitteln mir den Eindruck, als wäre die Situation gerade wirklich leidvoll. Ich beobachte sie weiter und plötzlich spüre ich einen Schlag in der Magengrube als mir klar wird, dass sie sich gerade im Urlaub befinden.

Ich fluche innerlich und schaue erschrocken weg. Mich überkommt das Gefühl, ich hätte gerade etwas gesehen, was nicht für meine Augen bestimmt. war. Etwas, was mich absolut nichts angeht. Ich möchte nicht mehr zu ihnen sehen, doch ich kann nicht anders. Immer wieder schaue ich sie an und immer wieder krampft sich mein Magen zusammen.

Ich will irgendetwas tun, doch ich weiß nicht, was. Ich weiß auch nicht, warum ich mir das Recht herausnehme, so viel in ihre Gesichter hinein zu interpretieren. Warum ich mir Gedanken darüber mache, wie viel Leid und wie wenig Leichtigkeit in ihrem Leben steckt.

Vielleicht haben sie einfach nur einen schlechten Tag. Den haben wir alle mal. Auch im Urlaub. Doch mein Gefühl sagt mir etwas ganz anderes…

Plötzlich kommt ein kleines Vöglein angeflogen und landet direkt neben dem Tisch des Ehepaars. Fröhlich zwitschert es. Die Frau bemerkt den Vogel und auf einmal verschwindet all die Anspannung aus ihrem Gesicht. All die Anstrengung. All die Verbitterung. Sie lächelt und macht ihren Mann auf den Vogel aufmerksam. Geimeinsam beobachten sie ihn, wie er leichtfüßig umher hüpft, hier und da nach einem Krümel pickt.

Wieder kann ich meine Augen nicht von ihren Gesichtern nehmen. Sie sind so hell. So ruhig. Das Paar ist völlig präsent, völlig im Hier und Jetzt. In diesem Moment gibt es nicht anderes als den Vogel. Sie sind eins mit ihm, eins mit dem Augenblick.

Ein beruhigender Anblick.

Irgendwo ertönt das laute Klirren eines Messers, das auf den Boden fällt. Fast zeitgleich spannt der Vogel seine Flügel und fliegt davon – gemeinsam mit der Unbeschwertheit des Ehepaars. Augenblicklich verkrampfen sich ihre Gesichter und erneut schauen sie in die Ferne. Vielleicht auf den Pool, vielleicht aufs Meer oder auf den Horizont.

Wo auch immer sie hinschauen, sie sehen nicht klar. Sie nehmen nicht wirklich auf, was ist, denn sie sind mit ihren Gedanken woanders, an einem leidvollerem Ort.

Ihre Gesichter stimmen mich traurig. Doch ich habe auch Hoffnung. Wer sich mit 60 noch über einen so alltäglichen Anblick wie einen Vogel freuen kann, der trägt den Funken noch in sich. In diesem kleinen Augenblick habe ich ihn gesehen.

Es war der Funken der Lebendigkeit. Der Funken der Freude. Der Funken der Liebe.

Wir alle tragen ihn in uns, doch bei den meisten ist er unter einem riesigen Haufen Asche begraben. Die Asche steht sinnbildlich für unsere Ängste, unsere Prägungen, unsere Verletzungen, für die Grenzen in unserem Kopf, die uns davon abhalten, wirklich zu leben.

Unsere Aufgabe ist es, diese Asche beiseite zu schippen, um den Funken freizulegen. Wir müssen erkennen, dass wir nicht die Asche sind, sondern dieser kleine leuchtende Funken, der darunter liegt und in der Lage ist, alles in seiner Umgebung zu entzünden.

Die Asche mag uns kleinhalten und am Leuchten hindern. Doch wenn wir uns nach und nach von der Asche befreien, können wir ein wahres Inferno auslösen.

Und damit die Welt verändern.

In dem Moment, in dem das Ehepaar den Vogel beobachtete, war auch ich völlig ruhig. Ich fühlte mich wohl, einfach nur, indem ich ihre friedlichen Gesichter sah und ihre Präsenz spürte.

Weil sie mir ihr wahres Selbst zeigten, weil ich hinter die Maske ihres Egos blicken durfte.

Vielleicht hat der Moment nichts im Leben des Ehepaars verändert. Es ist sogar sehr wahrscheinlich, dass sie einfach so weiterleben wie bisher. Dass sie sich weiterhin mit der Asche identifizieren, anstatt mit dem kraftvollen Funken, der so viel Potenzial in sich trägt.

Ja, vielleicht ändert sich rein gar nichts für sie.

Doch ich glaube, ich durfte die Situation aus einem bestimmten Grund beobachten. Ich glaube, sie berührte mich deswegen so stark, weil sie eine Botschaft beinhaltete.

Eine Botschaft für mich und für dich.

Die Situation erinnert mich an die Relevanz meiner Arbeit. Die Notwendigkeit. Den Sinn. Sie erinnert mich daran, warum ich hier bin: Um den Menschen zu zeigen, dass sie der Funken sind, nicht die Asche.

Und damit kommen wir zu dir!

Sicher warst du schon einmal in einer ähnlichen Situation wie das Pärchen. Du hast schon den einen oder anderen Moment erlebt, in dem nichts anderes in dir war als Freude und Liebe. In dem du völlig in der Gegenwart warst. In dem einfach alles in Ordnung, alles vollkommen war.

In diesen Momenten, und wenn es nur 10 Sekunden waren, hast du deine wahre Essenz gespürt. Du warst völlig losgelöst von deinem Ego, von der Asche, und durftest erfahren, wie es sich anfühlt, der Funken zu sein.

Erinnerst du dich an dieses Gefühl?

Das bist du!

Noch denkst du vielleicht, solche Momente wären Ausnahmen. Kleine Höhen in deinem Leben, die eine willkommene Abwechslung zum faden 0-8-15-Leben sind.

Was aber, wenn ich dir sagte, dass dieses Gefühl dein dauerhafter Begleiter sein kann? Nicht nur ein unregelmäßiger Besucher, sondern dein täglicher Gast? Stell dir doch mal vor, wie fabelhaft das Leben dadurch würde! Wie fröhlich! Wie bunt!

Dein Leben wird nicht länger anstrengend, sondern ein Tanz. Ja, hin und wieder tritt dir jemand auf den Fuß. Du knickst auch mal um. Aber, und das ist das Wichtige, du tanzt. Du tanzt den Tanz des Lebens.

Denn du bist der Funken, nicht die Asche.

Du bist der Funken, der alles erleuchten kann.

In dir steckt so viel Potenzial.

Vergeude es nicht…


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