Das Leben und ich // Handy oder Leben – was wählst du?

Ich stehe hinterm Thresen, poliere Gläser. Ein Pärchen kommt herein, schaut sich um und sucht sich ein nettes Plätzchen am Fenster. Der Po hat noch nicht mal richtig den Stuhl berührt, da zücken beide schon ihr Smartphone. Ich nähere mich dem Tisch, um ihre Bestellung aufzunehmen. “Hi!”, sage ich lächelnd. “Was mögt ihr trinken?” Beide schauen mich so überrascht an, als hätten sie wirklich nicht damit gerechnet, dass ihnen in einem Café diese Frage gestellt wird. “Öh”, sagt er und greift hektisch nach der Getränkekarte. “Ich habe noch gar nicht geschaut.” Stress liegt in der Luft. “Kein Problem”, antworte ich. “Ich komme gleich nochmal wieder.” Ich lächle ihm zu, doch ich denke mir meinen Teil.

Ich finde es traurig, welchen Stellenwert das Smartphone im Leben so vieler Menschen einnimmt. Ja, auch in meinem. Auch ich nehme mein Handy noch öfter in die Hand als mir lieb ist.

Aber es gibt auch Momente, in denen ich nicht mal darüber nachdenke, aufs Smartphone zu schauen. Wenn ich mit anderen Menschen zusammen bin etwa. Oder wenn ich etwas erlebe, was mein Herz berührt.

Wie oft dachte ich nach solchen Momenten daran, dass ich es hätte festhalten können. Für mich. Für dich. Für die Ewigkeit. Doch beinahe gleichzeitig bin ich froh, dass ich es nicht getan habe. Denn du hältst nicht einfach nur den Moment mit dem Handy fest. Du zerstörst ihn auch. Nimmst ihm den Zauber.

Sobald du dein Smartphone zückst, verfliegt die Magie, denn du reißt dich völlig aus dem Hier und Jetzt.

So wie das Pärchen. Sie sind losgezogen, um sich eine schöne Zeit zu machen – und haben sie sich selbst genommen.

Ich verstehe den Reiz des Smartphones. Doch ich bin mir auch darüber im Klaren, dass ich hinter diesem kleinen Bildschirm nicht das finde, was ich “Leben” nennen würde. Das Leben ist um mich herum, in jeder Sekunde. Das Ding dort in meiner Hand zeigt mir nur eine Scheinwelt, die zwar verführerisch erscheint, am Ende aber ziemlich fade und leblos ist.

Ich bin ehrlich zu dir: Ich möchte nicht auf mein Smartphone verzichten. Und dieser Artikel ist auch kein Appell an dich, dein Smartphone in die Tonne zu werfen.

Nein, vielmehr ist er eine Warnung. Lass nicht zu, dass dieses winzige Gerät die kostbarsten Augenblicke deines Lebens zerstört. Jene Augenblicke, die erfüllt sind von Freude, Liebe, Genuss. Jene Augenblicke, die du mit wichtigen Menschen teilst. Augenblicke, die geprägt sein sollten von liebevollen Blicken, tiefgründigen (oder völlig sinnbefreiten) Gesprächen und Gelächter, Tränen oder Verwunderung.

Lass nicht zu, dass dein Handy dich von dem ablenkt, was am Ende wirklich zählt. Von den Momenten, die dein Leben prägen, die dich prägen, die dich zum Nachdenken anregen, dir Lebendigkeit schenken. Reiß dich nicht aus der Gegenwart in der Hoffnung, in deinem Smartphone etwas zu finden, was du nur im echten Leben finden kannst.

Widerstehe der Gewohnheit, dein Handy zu zücken, sobald du sitzt. Facebook zu checken. Immer und immer wieder. Darüber nachzudenken, wie du den Moment am besten in Szene setzt, um ihn zu speichern oder zu teilen.

All das ist unwichtig, all das spielt keine Rolle, wenn du voller Präsenz den Moment auskostest. Wenn du einfach da bist, wo du gerade bist.

Jedes Mal, wenn du zu diesem kleinen Gerät in deiner Tasche greifst, entscheidest du dich für das Handy und gegen das Leben. Jedes Mal verlierst du einen Teil deiner kostbaren Lebenszeit.

Ja, ich weiß. Klingt dramatisch. Vielleicht auch ein bisschen übertrieben.

Aber nur vielleicht.

Denn wenn du mal ehrlich darüber nachdenkst, spürst du die Wahrheit hinter diesen Worten.

Hm. Und nun?

Wie gesagt, ich möchte mit diesem Artikel nicht erreichen, dass du dein Smartphone nun völlig verteufelst und am liebsten entsorgen würdest. Ich möchte einfach nur, dass du nachdenkst. Darüber, welchen Stellenwert dein Handy in deinem Leben einnimmt. Und darüber, ob das wirklich das ist, was du willst.

Ich möchte, dass du weißt, wie tückisch dieses kleine Ding sein kann. Wie viel Lebendigkeit und Freude es dir nehmen kann.

Ich möchte, dass du dir in jedem Moment, in dem du dein Smartphone zücken willst, bewusst machst, dass du gerade im Begriff bist, dich gegen die völlige Präsenz im Augenblick zu entscheiden. Gegen das Leben.

Ich möchte, dass du achtsam mit deinem Leben umgehst. Es nicht ständig eintauschst gegen ein paar fade Momente hinter einer Glasscheibe.

Am Ende nämlich wirst du dich nicht an all die Stunden erinnern, in denen du über YouTube-Videos gelacht und dir Urlaubsfotos von Fremden angesehen hast, sondern nur an die Momente, in denen du wirklich gelebt hast.

Hier und jetzt. Ohne Ablenkung.

Deshalb wähle weise. Wähle achtsam. Wähle nicht aus Angst, etwas zu verpassen oder aus Gewohnheit. Wähle in jeden Augenblick neu.

Handy oder Leben?


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