Das Leben und ich // Die Ironie des Lebens

Es ist Ende Januar. Für mich ist es als wäre es gestern gewesen, dass ich dem Silvester-Feuerwerk zugesehen habe. Die letzten vier Wochen sind an mir vorbeigezogen. Ich habe nicht viel von ihnen mitbekommen. Dabei hatte ich Pläne. So wie ich sie am Ende eines Jahres immer mache. Ich springe immer auf, auf die Welle des Knisterns und der Euphorie, die sich zwischen den Jahren auftürmt. So auch dieses Jahr. Doch anstatt schwungvoll mit ihr nach vorne zu surfen, bin ich runtergefallen. Das Surfbrett ist weg, die Welle auch, und so muss ich nun schwimmen.

Doch von Anfang an.

Die Zeit zwischen den Jahren ist für mich immer die Zeit für einen Rückblick aufs alte und Ausblick aufs neue Jahr. Was ist gut gelaufen? Was nicht so? Was habe ich erreicht? Was hätte ich gerne erreichen wollen? Wie sehr habe ich mich entwickelt? Was habe ich erlebt?

Was soll im nächsten Jahr anders werden? Was soll gleich bleiben? Warum?

Fragen wie diese beschäftigen mich in dieser Zeit. Es macht Spaß darüber nachzusinnen und noch mehr, wenn das alte Jahr so erfolgreich war. 2018 stand für mich unter dem Motto “Wachstum” und in keinem anderen Jahr habe ich so viel über mich gelernt, so viel entdeckt, mich so sehr entwickelt, war so glücklich wie im letzten.

Was also soll 2019 kommen? Was möchte ich erreichen? Und unter welchem Motto soll das neue Jahr stehen?

Voller Begeisterung legte ich mein Wort für 2019 fest: Selbstverwirklichung. Denn, obwohl 2018 so erfolgreich für mich war, kam auch Einiges zu kurz. Mein Business etwa. Mein Privatleben. Meine Freude am Reisen. Und nicht zuletzt meine Gesundheit.

Dafür bekam ich nun die Retourkutsche.

Mein Körper zwang mich in die Knie.

Zum Glück.

Seit vier Monaten arbeite ich gefühlt rund um die Uhr im Café .

Ich war einverstanden damit, schließlich liebe ich die Arbeit. An jedem einzelnen Tag in den vergangenen Monaten freute ich mich aufs Arbeiten – es gab keinen Tag an dem mir der Gedanke daran schlechte Laune bereitete. Doch am Ende musste ich nun feststellen, dass auch die beste Arbeit, die sich mehr nach Freizeit als nach Arbeit anfühlt, zu viel werden kann. Nämlich dann, wenn du es nicht mehr schaffst, einen Ausgleich zu schaffen. Etwas anderes zu machen. Wenn du Dinge vernachlässigst, die dir wichtig sind. Die dich als Menschen ausmachen. Dann ist es Zeit, auf die Bremse zu treten. Ich tat es nicht und so übernahm das mein Körper für mich.

Er knockte mich kurz nach Silvester aus. Mit Fieber und Husten lag ich flach. Ein paar Tage lebte ich wie in Trance. Machte nichts außer schlafen und Löcher in die Luft starren. 4 Tage verließ ich nicht das Haus. Selbst am fünften Tag fiel es mir schwer, aber ich war ein bisschen fitter und wollte raus. Ich schaffte es trotzdem nicht, zu lächeln.

Am nächsten Tag regte sich Lebendigkeit in mir. Endlich. Einen Tag später stand ich schon wieder auf der Arbeit. Ich hielt das für eine gute Idee. Mein Körper sah das offenbar anders.

Ich war gut drauf, fühlte mich fit. Doch es hatte sich nichts geändert. Ich schaffte es immer noch nicht, einen Ausgleich zu schaffen. Wirklich gesund zu essen. Zu entspannen. Oder etwas für meine Selbstständigkeit zu tun.

Dafür bekam ich eine Woche später die Quittung. Kehlkopfentzündung.

Okay.

Ich konnte nicht reden, aber das hielt mich nicht von der Arbeit ab.

Und so schwieg ich. Und arbeitete weiter.

Bis mich der dritte Pfeil traf. Augenentzündung. Nur Augenblicke danach zuckte ich unter dem vierten Pfeil zusammen. Ein eingeklemmter Nerv, der mich fühlen ließ als wäre ich 90.

Ich lag am Boden. Die Pfeile ragten aus meinem Körper und hinderten mich, wieder aufzustehen. Also blieb ich liegen. Drei Tage lang.

Heute, am vierten Tag wachte ich schließlich auf und spürte diese vertraute Lebendigkeit. Die Lebensfreude. Den Tatendrang.

“Eigentlich”, dachte ich. “Eigentlich könnte ich bald schon wieder arbeiten gehen.”

Doch sowohl meine Vernunft als auch mein Chef schoben diesem Gedanken einen Riegel vor. “Du bleibst eine Woche zu Hause”, sagte mein Chef völlig ernst. “Erhol dich. Mach, was dir gut tut.”

Okay…

So sitze ich hier also. Es liegt eine freie Woche vor mir. Eine ganze Woche.

Puh.

Bereits dieser erste freie Tag lässt mich ahnen, dass diese Woche wichtig wird. Ich werde so viel Zeit mit mir alleine verbringen wie schon seit Ewigkeiten nicht, was viel Raum schafft für Erkenntnisse und neue Ideen. Ich werde meiner Freude folgen. Eine Woche lang. Das ist enorm.

Und passt wunderbar zu meinem Jahresmotto.

Ja, der Januar war hart für mich. Aber am Ende hat mich genau das zu der Möglichkeit geführt, eine Woche intensiv darüber nachzudenken, was Selbstverwirklichung für mich bedeutet.

Klar habe ich schon Pläne in dieser Hinsicht.

Was mir aber wirklich wichtig ist, wer ich bin, wenn ich nicht im Café arbeite, warum ich so gerne dort arbeite, wonach ich mich sehne – all das und noch mehr werde ich wohl erst in dieser Woche herausfinden.

Denn vorher fehlte mir einfach die Zeit.

Und die Ruhe.

Am Ende hat sich also alles gefügt. So wie immer, wenn wir zurückblicken und die Ironie des Lebens erkennen.

Am Ende ergibt alles einen Sinn.

Am Ende hält jede Herausforderung eine Lektion für uns bereit, die uns dabei hilft, noch mehr zu uns selbst zu finden.

Wir allein entscheiden, ob wir diese Möglichkeit nutzen.


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