Das Leben und ich // Von Männern, Frauen und Freundschaften

Gestern Abend habe ich ganz seelenruhig im Café gearbeitet als kurz vor Ende ein Mann hereinspazierte. Wir kamen ins Gespräch, sprachen über dies und jenes. Als seine Kumpels die Zeche prellten und einfach abhauten, stand er völlig alleine da – mit 7 unbezahlten Bieren und nur noch 5 Euro in der Tasche. Darum geht es hier eigentlich nicht, aber für eine lustige Anekdote ist doch immer Platz.

Am Ende war er bei der Bank und konnte das Bier bezahlen und ich bot ihm an, ihn nach Hause zu fahren. Auch auf der Fahrt plapperten wir fröhlich miteinander und als wir schließlich ankamen und uns verabschiedeten (so herzlich als würden wir uns schon ewig kennen), überlegte ich kurz, ihn nach seiner Nummer zu fragen. Nicht aus romantischen Gründen, sondern weil er ganz offensichtlich ein netter Mensch war und wir uns gut verstanden haben.

Wäre er eine Frau gewesen, hätte ich nicht gezögert, ihn (oder sie) nach der Nummer und einem Treffen zu fragen. Warum auch nicht? Wenn wir ehrlich sind, ist es in meinem Alter nicht mehr ganz so leicht, Freunde zu finden.

Doch er war ein Mann und so zögerte ich – und schluckte die Frage am Ende runter.

Das brachte mich zum Nachdenken. Denn ganz offensichtlich dominierte in diesem Augenblick meine Angst. Nicht die Angst davor, abgelehnt, sondern vielmehr missverstanden zu werden.

Es ist doch so, dass Freundschaften zwischen Männern und Frauen immer noch irgendwie mit sehr skeptischen und gleichzeitig wachsamen Augen beobachtet werden. Aber warum eigentlich?

Ich bin ziemlich offen, was Freundschaften zwischen Männern und Frauen angeht. Letztlich sind wir alle Menschen und jemanden kategorisch wegen seines Geschlechts auszusortieren, halte ich für einen riesigen Fehler. Es bedeutet, dass dein Herz nicht vollkommen offen ist. Und es bedeutet, dass du dich abspaltest. Beides führt zu großem Leid. Schließlich sind wir alle eins. Schließlich sind wir alle Liebe.

Am Ende sind es einfach nur zwei Seelen, die sich treffen. Das Geschlecht spielt dabei eine völlig untergeordnete Rolle. Eigentlich. Nicht aber in unserer Gesellschaft.

Ich meine, klar, es kann gut sein, dass ein sexuelles Verlangen entsteht. Dass man sich plötzlich zueinander hingezogen fühlt. Das ist möglich. Aber ist das tatsächlich ein Hindernis? Sollte das ein Hindernis sein?

Noch kritischer wird eine Freundschaft zwischen Mann und Frau betrachtet, wenn wir uns in einer Partnerschaft befinden. Es kommt einem Betrug gleich, sich (freundschaftlich) für das andere Geschlecht zu interessieren. Neue andersgeschlechtliche Freundschaften zu schließen wird von der einen Seite verpönt, von der anderen vermieden. Wegen des Risikos. Man könnte sich ja umverlieben. Oder Sex haben. Hm.

Klar ist das richtig. Und ja, das passiert sicher täglich. Aber sein wir mal ehrlich: Wenn das passiert, ist offensichtlich innerhalb der Beziehung irgendetwas im Argen. Das lasse ich einfach mal so stehen, denn unser Thema hier ist ein anderes.

Eine Freundschaft wegen dieses Risikos nicht einzugehen, ist für mich so verrückt wie in eine Höhle zu ziehen um keinen Sonnenbrand zu riskieren. Es ist unverhältnismäßig, denn Freunde sind essentiell. Wir brauchen Freunde und echte Freunde sind rar. Sollten wir dann wirklich auf die Hälfte potentieller Freunde verzichten, nur weil sie das falsche Geschlecht haben? Weil wir uns verlieben könnten? Echt?

Würde das im Umkehrschluss nicht bedeuten, dass bisexuelle Menschen besser gar keine Freundschaften eingehen? Schließlich lauert das Risiko in jedem Menschen…

Klingt das logisch oder lebensnah für dich?

Also für mich nicht.

Was wir brauchen, ist ein Umdenken. Wir alle haben es dringend nötig, unser Herz noch weiter zu öffnen und das andere Geschlecht nicht als Gefahr oder Risiko zu sehen, sondern als Chance. Als Chance, unser Leben heller zu machen. Uns heller zu machen. Uns einfach gut zu tun.

Wir müssen aufhören, die Angst über unser Leben bestimmen lassen. Wir müssen zu unserem Kern zurückfinden, zur Liebe. Wir müssen wieder vertrauen lernen. Uns. Anderen. Dem Leben.

Und wir müssen aufhören, das andere Geschlecht mit Sex gleichzusetzen.

Unser Verstand hat bei der Auswahl unserer Freunde nichts zu suchen. Es geht um eine zwischenmenschliche Beziehung – da kann man nicht logisch argumentieren. Wenn man sich mag, mag man sich. So einfach ist das. Das Gefühl muss stimmen, nicht das Geschlecht.

Also lass uns unser Herz weit machen. Lass uns keine Vorurteile oder Ängste haben, sondern dem Herzen einfach das überlassen, was es am besten kann: Lieben. Lass uns umdenken und durch unser Umdenken inspirieren. Damit noch mehr Menschen die Möglichkeit haben, ihr Herz fürs andere Geschlecht zu öffnen und sich nicht länger von ihnen abzugrenzen.

Wir alle sind eins. Wir alle sind Liebe.

Lass uns auch so handeln!


P.S.: Was den netten Typen betrifft: Ich habe zwar seine Nummer nicht, ihn aber über Facebook gefunden und angeschrieben (um ehrlich zu sein kam ich mir dabei ein bisschen vor wie Ted Mosby in How I Met Your Mother als er nach dieser magischen ersten Nacht mit Victoria nach ihr gesucht hat). Ich bin gespannt!


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One thought on “Das Leben und ich // Von Männern, Frauen und Freundschaften

  1. Ich hatte damals in den 70er Jahren auch einen guten Freund. Gerade damals war es noch unvorstellbarer als heute, dass man einfach nur befreundet war. Alle meine Bekannten haben gedacht wir hätten ein Verhältnis. NEIN….wir sind zusammen ins Kino, in die Disco, in den Biergarten usw. gegangen. Wir hatten eine Menge Spaß. Ich war damals auch in einer festen Beziehung. Mein Freund hat mir vertraut, und ich habe das Vertrauen auch niemals missbraucht. Ich war damals in meiner Teenagerzeit fast alleine mit der Meinung, dass Frauen und Männer einfach nur so befreundet sein können.

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