Das Leben und ich // Frag mich doch mal, ob ich glücklich bin!

Es gibt Gespräche, die ich immer und immer wieder führe. Der Ablauf ist der gleich, die Fragen sind die gleichen, die Antworten auch. Natürlich spreche ich nicht stöndig mit der gleichen Person (wäre doch ziemlich Banane…). Nein, ich spreche mit verschiedenen Personen. Und trotzdem sind gewisse Gespräche wie Deja-Vus. Zum Beispiel die Gespräche über meinen Werdegang. Der sorgt immer wieder für Gesprächsstoff und für Kopfzerbrechen. Denn er ist anders. Manche denken vielleicht sogar insgeheim, ich wäre eine gescheiterte Existenz. Zugegeben, besonders glamourös ist er nicht. Aber er ist echt.

Alles fängt immer an mit einer harmlosen Frage: “Studierst du noch?”, werde ich häufig gefragt, wenn ich bei der Arbeit bin. Die Frage liegt nahe, schließlich gehen viele Studenten nebenbei kellnern. “Nein”, antworte ich dann. “Ich habe schon studiert.” Ich sehe ein erstes Zucken in der Stirn.

“Was hast du denn studiert?”

“Arabistik und Jura”, antworte ich dann.

Erneut verändert sich das Gesicht. Für gewöhnlich erkläre ich an dieser Stelle, dass es bei Arabsitik um die arabische Sprache und Kultur geht.

Kurzes Schweigen.

“Also, du sprichst arabisch?”

“Es ist inzwischen ziemlich eingerostet, aber ja.”

Schweigen.

“Und in dem Bereich ist kein Job zu finden?”

“Doch, mit Sicherheit. Aber ich wollte das nicht.”

Bereits das ist für Viele nicht zu verstehen.

“Hast du denn dein Studium beendet?”

“Nein.”

“Aber warum denn?”

“Weil es mir wichtiger war, mich auf meine Selbstständigkeit zu konzentrieren. Ich helfe Menschen glücklicher und erfüllter zu leben.”

Ich sehe wie es im Kopf rattert. Wie sie versuchen, all das unter einen Hut zu bringen. Arabisch. Jura. Kellnern. Selbstständigkeit. Erfüllter leben.

Was?

Warum ich denn nicht wenigstens erstmal mein Studium beendet hätte, werde ich häufig gefragt. Oder auch ob ich nicht wüsste, wie erfolgreich ich mit meinen Studienfächern hätte werden können. Wie viel ich verdienen könnte. Was für eine Zukunft auf mich warten könnte. Vielleicht sogar eine Verbeamtung.

Ich höre mir all das immer höflich an. Und ich verstehe die Fragen.

Trotzdem wundert es mich doch sehr, warum mich niemand fragt, ob ich mit meiner Entscheidung glücklich bin. Kaum einer versteht, warum ich Prestige und Erfolg eingetauscht habe gegen einen Job im Café und eine schwammige Selbstständigkeit.

Klar hätte ich mein Studium beenden können. Ich hätte den Weg gehen können, den ich so sorgfältig für mich festgelegt hatte. Vermutlich wäre ich sogar echt gut in dem Job gewesen.

Doch ich hätte auch viele meiner Talente und Leidenschaften nicht gelebt. Ich hätte einfach nur den Job ausgeführt, ohne zu fragen, was meine Seele möchte. Warum ich hier auf diesem Planeten bin.

Bin ich hier, um einen guten Job zu machen?

Oder um meiner Seele zu gestatten, sich auszudehnen?

Der Tag der Entscheidung

Als ich vor dem Laptop saß, nur einen Klick von der Exmatrikulation entfernt, hielt ich kurz inne. Mir war klar, dass dieser Schritt Einiges verändern würde. Mir war auch klar, dass ich das Studium nicht so bald wieder aufnehmen würde. Ich wusste, dass mein neues Leben in der Sekunde beginnen würde, in der ich den Button drückte.

Ich hielt inne und spürte in mich hinein. Ich stellte mir meine Zukunft vor, wenn ich an der Uni eingeschrieben bleiben würde. Alles würde weitergehen wie bisher.

Und genau das war der Punkt: Nichts würde anders werden.

Der Gedanke daran ließ mich erschaudern. Etwas in mir stemmte sich gegen diese Zukunft, die in meinem Kopf so trist, so ereignislos und inzwischen so fremd wirkte.

In diesem Moment wusste ich, dass etwas anders werden musste. Dass mein Weg ein anderer geworden war. Ich drückte den Button.

Ich wusste nicht, was mich erwartete, doch ich nahm das Unbekannte in Kauf. Ich vetraute darauf, dass meine Zukunft mir dienen würde, mehr ich selbst zu werden und meinen Traum zu erreichen.

Und so stand ich also plötzlich in diesem Café und bewarb mich um einen Job – und es war am Ende genau dieser Job, der mich noch näher zu meiner Aufgabe und zu meinem Kern brachte und der mir half, meine Träume zu verwirklichen.

Also ja, ein Job in der Juristerei hätte mir mit Sicherheit Ansehen und Geld gebracht. Doch ob er mich erfüllt hätte, steht auf einem ganz anderen Blatt.

Ich habe mich für den Weg meines Herzens entschieden, anstatt zu tun, was vernüftig ist. Ich habe mich gegen gesellschaftliche Normen und mein soziales Ansehen entschieden, weil es mir wichtiger war, ich selbst zu sein. Ich habe Neues gewagt, mich ins Unbekannte gestürzt, weil ich nicht ertragen konnte, nach Status Quo zu leben.

Und es hat sich gelohnt.

Denn ich bin glücklich.

Noch Fragen?


Ich begleite dich in ein Leben, das du liebst!
Meld dich hier kostenlos an, um jeden Sonntag Post von mir zu bekommen:

Mit deiner Bestätigung übermittelst du mir deine Daten. Weitere Infos zum Datenschutz bekommst du hier. Durch die Anmeldung erhältst du meinen Newsletter, in dem ich dir neben Neuigkeiten auch (kostenpflichtige) Angebote zusende.
Vielen Dank für dein Vertrauen!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.