Was “leben” bedeutet und warum ich bei diesem Artikel weinen musste

Wir alle wollen leben. Aber was bedeutet das genau? Ist Leben einfach nur atmen, essen, schlafen? Beginnt das Leben bei der Geburt oder erst in der Rente? Müssen wir uns das Recht auf Leben erst verdienen?
Leben ist etwas Großes. Es ist viel mehr als unsere bloße Existenz. Leben bedeutet lebendig zu sein. Das Leben zu spüren. Genuss. Wohlgefühl. Liebe. Das Leben ist nicht dazu da, um zu leiden. Löse dich vom Leid und von den Ketten, die dein Leben begrenzen. Lebe – jetzt!

Mach dein ganzes Leben zur Zeit deines Lebens
Ältere Leute gucken sich gerne alte Fotos von sich an. Ein Lächeln macht sich häufig breit. “Ach, meine Zwanziger”, sagen sie sich. “Das war wirklich die Zeit meines Lebens.”

Das macht mich traurig. Wenn das eine 80-jährige sagt, bedeutet das, dass sieben Achtel ihres Lebens nicht so gut waren wie ihre Zwanziger. Dafür gibt es mehrere Gründe. Ab 20 fühlen wir uns frei. Wir sind erwachsen, jung, voller Energie. Wir haben das Gefühl, nichts und niemand kann uns aufhalten. Wir probieren Dinge aus, schwenken von hier nach da, nehmen das Leben leicht. Probleme gibt es kaum.

Spätestens mit 30 beginnt der Ernst des Lebens. Wir machen uns zunehmend Gedanken um unseren Platz in der Gesellschaft. Heirat, Kinder, Eigenheim, fester Job – das alles wird ja auch mal Zeit. Wir wollen ja nicht negativ auffallen und das Opfer von Gerede werden.

Also arbeiten wir bis zum Umfallen. Rente, Haus, Kinder, Auto, Urlaub, all das bezahlt sich ja nicht von selbst. Wir arbeiten und arbeiten und zwischendurch tun wir Dinge, die die Gesellschaft von uns verlangt. Und das Leben zieht im Schnelldurchlauf an uns vorbei.

Ab 40 geht es dann langsam los. Die Knie schmerzen, die Hüfte zwickt und die Ausdauer lässt uns immer öfter im Stich. “Naja, das ist halt so. Wir alle werden älter.” Die Arbeit fordert uns, wir haben das Gefühl immer weniger Zeit für uns zu haben und schielen schon auf die Rente in zwanzig Jahren.

Wir sind 50. Die schlechte Laune ist immer öfter Gast bei uns. Unser Gewicht ist auf seinem bisherigen Höhepunkt. Wir haben Bluthochdruck. Die Arbeit geht uns inzwischen tierisch auf die Nerven. Voller Frust fahren wir jeden Morgen ins Büro und sitzen die Zeit bis zum Feierabend ab. Zwischendurch spielen wir mit dem Gedanken, was gewesen wäre, hätten wir uns nicht für das Studium entschieden sondern unserer Leidenschaft eine Chance gegeben. Aber den Gedanken verwerfen wir gleich wieder. Hätte ja eh nicht geklappt. Oder?

60. Wir freuen uns. Nur noch ein paar Jahre arbeiten. Dann kann das Leben losgehen. Wie damals, in den Zwanzigern – nur noch besser, denn wir haben ja inzwischen Einiges an Lebenserfahrung gesammelt. Wir haben schon große Pläne, können es kaum erwarten, die Dinge zu tun, die wir schon immer tun wollten.

Rente. Endlich. Doch, was ist das? Ein Herzinfarkt. “Sie sind sehr gefährdet für Herz-Kreislauf-Beschwerden”, sagt uns der Arzt. Wir bekommen einen Ernährungsplan und Anweisungen, wie wir uns zu verhalten haben, um keinen weiteren Herzinfarkt oder Schlaganfall zu provozieren. Unsere großen Pläne für die Rente liegen erstmal auf Eis.

Wir sind ärgerlich und sehen es nicht ein, uns an Vorschriften zu halten. Das haben wir schließlich unser ganzes Leben gemacht. “Es reicht! Jetzt ist Rente.”

Mit 70 kommen uns langsam Zweifel, wenn wir morgens steif und ungelenkig aus dem Bett steigen. Das soll meine Rente sein? Jeden Tag der gleiche Ablauf, keine Abwechslung, keine Überraschungen. Naja, es hat auch etwas Beruhigendes, reden wir uns ein. Außerdem sind ja die Enkel da, die uns Freude bringen.

Mit 80 versuchen wir, uns mit dem Tod abzufinden. Das geht nicht so einfach. Wir fühlen uns nicht bereit, haben noch so viel vor. Das macht Angst. Eines Tages fragt uns unsere Enkelin, wie wir eigentlich früher aussahen. Wir kramen die Bilder aus unseren Zwanzigern heraus und zeigen sie ihr stolz. Wehmütig blicken wir in unsere eigenen Augen, die voller Lebensfreude und Erwartungen auf das Leben leuchten. Wir erinnern uns, wie leicht sich das Leben damals anfühlte. Wir erzählen unserer Enkelin davon und verkünden: “Das war wirklich die Zeit meines Lebens.”

Ein Horrorszenario, das mich lähmt
Diese Geschichte wurde länger als ich es geplant hatte. Doch die Worte wollten raus, sie sprudelten nur so hervor. Nun sitze ich hier und bin traurig und schockiert. Der letzte Absatz dringt tief in mein Herz ein, obwohl ich ihn selbst geschrieben habe. Die Vorstellung daran lähmt mich. Und das Wissen, das diese Geschichte keine Fiktion, sondern alltägliche Wahrheit ist, macht mich sehr betroffen.

Ich hatte daran gedacht, eine kurze Schreibpause in Form eines Spaziergangs zu machen, um meine Gedanken nach dieser aufwühlenden Geschichte zu ordnen. Doch ich habe mich dagegen entschieden. Denn genau in diesem Augenblick wird mir klarer als je zuvor, warum ich diesen Blog gestartet habe.

Ich habe den Blick der Person, die auf die Bilder ihrer Vergangenheit blickt, genau vor Augen. Es ist ein Blick, den ich tagtäglich bei einer Vielzahl von Menschen sehe. Es ist ein Blick voller Trauer und Schmerz, den ich kaum ertragen kann.

Unsere Existenz hier auf der Erde ist ein Wunder und genauso sollte auch unser Leben ein Wunder sein. Es sollte voller Freude und Leichtigkeit sein. Es sollte uns beschwingen, nicht wehtun.

Ich möchte dir helfen zu leben. Nicht nur heute, sondern auch morgen. Ich will, dass du die Zeit deines Lebens hast. Von jetzt an bis zum Tod.


Das willst du auch? Noch mehr Hilfe bekommst du in meinem Newsletter:

Kostenlos. Kein Spam. Abmeldung jederzeit mit einem Klick.


Hat dir der Artikel gefallen? Dann schrei es in die Welt hinaus:

6 thoughts on “Was “leben” bedeutet und warum ich bei diesem Artikel weinen musste

  1. Hallo Maike!

    Ein ganz toller Artikel, sehr schön geschrieben. Und ich glaube auch, dass viel Wahres in ihm steckt! Es gibt zu wenig ältere Menschen, die voller (Lebens-)Energie stecken. Die später gar nicht wissen, wo sie anfangen sollen zu erzählen, weil es so viel schöne Erlebnisse, Reisen, Begenungen mit anderen Menschen, in ihrem Leben gab. Sicherlich gehört Leid und Schmerz auch zum Erlebten. Aber es ist doch das Beste, aus allem trotzdem immer das Beste zu machen und sich nicht vom Schlechten ewig vereinnahmen lassen.

    Viele Grüße
    Hedwig

    • Hallo Hedwig,
      vielen Dank für deinen schönen Kommentar.
      Genauso ist es: Die negativen Gedanken sollten nie die Oberhand gewinnen. Das Leben ist zu kurz um sich mit Negativem aufzuhalten.
      Mein Wunsch ist es, auch noch mit 80 die Lebensenergie und -freude zu haben, die heute in mir steckt. Ich möchte mein Leben nicht in Abschnitte teilen, in gut und weniger gut. Und genau das wünsche ich mir auch für andere.

      Im Hier und Jetzt leben, die Gegenwart genießen und das Beste aus ihr zu machen, nicht angstvoll in die Zukunft oder sehnsüchtig in die Vergangenheit zu blicken, das ist der Schlüssel, um dem Ende des Lebens friedlich entgegen zu gehen.

      Viele Grüße zurück
      Maike

  2. Hey Maike,

    ein bewegender Artikel! Leider ist das mehr als eine traurige Geschichte. Bei viel zu vielen scheint das die Realität zu sein. Das Glück wird solange in die Zukunft aufgeschoben, bis wir uns unserer begrenzten Zeit bewusst werden. Dann beginnen wir plötzlich, in unserer Vergangenheit danach zu suchen. “Ach war das noch schön, als ich so und so alt war.”, “Früher war alles besser.”
    Das Traurige daran ist, dass wir uns damit weiter daran hindern, den einzigen Moment wahrzunehmen, den wir wirklich wahrnehmen können. Unser Leben ist immer jetzt. Egal, wie unsere Lebensumstände sind, das ist das einzige, was wir wirklich haben. Ein Ausweichen in die Zukunft oder Vergangenheit kann uns leider oder zum Glück niemals glücklich machen. Deswegen ist es so wichtig, zu lernen, glücklich zu sein, unabhängig von der Lebenssituation und den Umständen.

    Viele Grüße
    Boris

    • Lieber Boris,

      vielen Dank für deinen intelligenten Kommentar. Ich stimme dir vollkommen zu.
      “Egal, wie unsere Lebensumstände sind, das ist das einzige, was wir wirklich haben.” Diesen Satz finde ich besonders gut. Wir wissen eben nicht, was die Zukunft für uns bereit hält und das Festhalten an der Vergangenheit lässt uns ein Schattendasein führen – traurig!

      Liebe Grüße
      Maike

  3. Guten Tag, Maike!
    Ihrem Blog-Artikel kann ich leider nicht zustimmen. Er ist mir zu pessimistisch. Selber bin ich inzwischen einiges über achtzig, alles in allem noch recht gut beisammen, und habe viel Anlass zur Dankbarkeit, die ich bei Ihnen, was das Leben betrifft, vermisse.
    Sie tun mir leid – mehr möchte ich dazu nicht sagen.
    Leben Sie wohl! Das ist wörtlich und ehrlich gemeint.
    Mit freundlichem Gruß
    Hans-Jürgen

    • Hallo Hans-Jürgen,
      ich freue mich sehr, dass du (hier auf meiner Homepage dutzen wir uns alle :-) ) das Leben scheinbar noch immer in allen Zügen genießt und dankbar bist.

      Dieser Artikel ist in der Tat einer meiner melancholischeren. Dabei beruht er nicht auf Pessimismus, sondern leider auf Beobachtungen. Er ist drastisch formuliert, auch das gebe ich zu, aber das ist er ja nicht ohne Grund. Ich habe die Geschichte zum Wachrütteln geschrieben, denn er ist für deutlich jüngere Personen als dich vorgesehen, die geradewegs in ein solches Leben steuern.

      Schade finde ich, dass du scheinbar nur auf Grund dieses Artikels auf meine Persönlichkeit schließt. Hättest du noch andere Artikel gelesen, wüsstest du, wie falsch du mit deiner Aussage liegst.

      Ich wünsche dir alles Gute
      Maike

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.